ANHANG A * Das Stichprobenverfahren a) Das Stichprobenverfahren Historisch gesehen interessierten sich gerade Großstadtverwaltungen infolge des besonders massiven Aufkommens serieller Informationen im urbanen Bereich recht früh für die Anwendungsmöglichkeiten zeitsparender und zugleich repräsentativer Erhebungsmetho¬ den.1 Aber erst im Zuge der Weiterentwicklung der mathematischen Grundlagen der Wahl- und Sozialstatistik nach 1945 reiften die Stichprobenverfahren soweit aus, daß sie auf kommunaler Ebene regelmäßig eingesetzt werden konnten.2 Darum waren die Statistischen Büros bis in die 1950er Jahre ausschließlich auf Gesamterhebungen zum Erhalt präziser statistischer Erkenntnisse angewiesen, deren Zuverlässigkeit außerdem für sie, letztendlich mangels eines stichprobentheoretisch fundierten Instrumentariums, nicht zu ermitteln war. Heute stehen dem Historiker für die retrospektive analytische Betrachtung von Massen¬ daten, wie sie u.a. aus den genannten Gründen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkt auftreten und welche die Melderegister und Volkszählungsdokumente der Untersuchungsgemeinden enthalten, effektive Auswahlverfahren zur Verfügung. Im Bereich der historischen Forschung wurden diese, aus den Sozialwissenschaften kom¬ menden und dort stets verfeinerten, Methoden bislang vergleichsweise selten in ihrem vollen Leistungsumfang eingesetzt. Um den regionalen Bezug zu wahren: Klaus Fehn beschrieb die in der vorliegenden Arbeit ebenfalls betrachteten Melderegister von Mal¬ statt-Burbach überblicksartig mit Hilfe einer willkürlichen Auswahl der Jahrgänge 1885, 1888 und 1891. Die von ihm ermittelten Ergebnisse sind hinsichtlich ihrer Relevanz für den gesamten Registerbestand infolge der stichprobentheoretisch nicht reflektierten Vorgehensweise nicht einzuordnen.3 Stichprobentheoretisch ebenfalls äußerst bedenklich ist die in drei luxemburgischen Untersuchungen angewandte "Buchstaben"-Methode. Erhebungskriterium ist dabei der Anfangsbuchstabe des Nachnamens einer Personen- 1 Vgl. als frühes Beispiel Schott, Siegmund: Das Stichprobenverfahren in der Städtestatistik. Ein Versuch, Mannheim 1917. 2 Vgl. z.B. Bamberger, Ludwig: Die Bedeutung der Stichprobenmethode für die Eigenstatistik der Städte, in: Statistische Mitteilungen der Stadt Köln 10/1955, S.36-48. 3 Vgl. Fehn, Räumliche Bevölkerungsbewegungen, S.67-69. 336