Zunfthandwerks auf, indem Handwerker der klassischen Sparten verstärkt in den industriellen Produktionsprozeß miteinbezogen wurden (Zulieferfunktion, innerbetriebliche Beschäftigung). Erst in diesem Rahmen gelang es den Katholiken, in größerem Maßstab in Handwerksberufen Fuß zu fassen, deren überkommene quasi-zünftige Sozialstrukturen ihnen - trotz der offiziellen Gewerbefreiheit - im vorindustriell protestantischen Malstatt- Burbach den Einzug in solche Tätigkeitsbereiche versperrt hatten. Der feststellbare Qualifikationsfortschritt innerhalb der Arbeiterschaft beruhte größtenteils auf diesem Strukturwandel innerhalb des traditionellen Handwerks, für das wiederum seine Ein¬ bindung in die industrielle Fertigung wegen der damit oft notwendigen Aufgabe der unternehmerischen Selbständigkeit einen Verlust an Sozialprestige bzw. den Schritt in die großbetriebliche Lohnabhängigkeit bedeutete. (S.llöff.) Denn bezüglich ihrer Hüttenarbeiterbelegschaften verfolgten die Betriebsleitungen schwerpunktmäßig eine Politik der Spezialisierung bei gleichzeitiger Dequalifizierung. Anlernberufe blieben bis zum ersten Weltkrieg unter der eigentlichen Industriearbeiterschaft die Regel, Fach¬ arbeiterberufe die Ausnahme, besonders als nach der Einführung des Thomas-Verfahrens der Puddelbetrieb eingestellt und die Eisenproduktion damit weitreichend automatisiert wurde. (S.122f.) Von anderer Qualität war der gesellschaftliche Umbruch, den die Stadt Diedenhofen erfuhr, indem deren Kleinbürgertum sozusagen von einer Arbeiterzuzugswelle überrollt wurde, nachdem sich kurz vor der Jahrhundertwende der erste größere Industriebetrieb angesiedelt hatte. Während sich in Malstatt-Burbach und Esch/Alz. erste urban-städtische Strukturen mit der Industrialisierung ab den 1850er Jahren von Grund auf zu entfalten begannen, wurde in Diedenhofen um 1900 eine intakte kleinstädtische Infrastruktur in gewissem Sinne zerschlagen bzw. in kürzester Zeit von einer industriell-urbanen Struktur überdeckt. Die migrative Vernetzung des industriellen Grenzraumes Die Mobilitätsbereitschaft im Untersuchungsraum war sehr groß. Die wenigsten der Migranten in Malstatt-Burbach und Diedenhofen reisten von ihren Geburtsorten her an; d.h. sie waren bereits vor ihrem Eintreffen in diesen Industriestädten mobil gewesen. (S.132ff.) Zugleich aber beschränkte sich der Wanderungsaustausch der untersuchten Gemeinden überwiegend auf den Nahbereich. Die Städte rekrutierten dabei ihre Zuzügler in aller Regel aus weniger weit entfernten Regionen, um sie aber durchschnittlich in etwas weitläufigere Distanzbereiche zu entlassen: vor allem im Verhältnis zu ihrem direkten Umland nahmen die Industriezentren offenbar eine Art "Sprungbrettfunktion" ein. (S.138ff.) Obwohl die Nahwanderungen das Migrationsgeschehen dominierten, bestand dennoch während der gesamten Untersuchungsperiode ein nicht zu unter¬ 323