Außerdem ist festzuhalten, daß saisonale Mobilitätsmuster in den kleineren Städten, anders als in Großstädten, einem deutlichen Wandel unterworfen waren. Zwar bestimmte an einem Industriestandort wie Malstatt-Burbach oder Esch/Alz. schon in den 1860er und 1870er Jahren der agrarische Jahresrhythmus von Aussaat und Ernte im wesentlichen nicht mehr das Wanderungsgeschehen, wie es bis in die 1890er Jahre in der Festungsstadt Diedenhofen mit ihrem ländlichen Umfeld und den verspäteten Industrieansiedlungen geschah. Dennoch erfolgte beispielsweise erst langsam eine Schwerpunktverlagerung der städtischen Zuzugsmobilität vom Herbst auf das Frühjahr, was den nur langsamen Bedeu¬ tungsverlust der Land-Stadt-Wanderung als Überwinterungschance für landwirtschaftliche Arbeitskräfte markiert. Daneben zeigte die wirtschaftliche Stagnation nach 1875 Wirkung bei der Saisonkomponente, wodurch sich in dieser Phase völlig andere Mobilitätsmuster im Jahresverlauf ergaben als in der Zeit vor 1875 bzw. nach 1890. (S.75ff.) Impulse der Migranten zum stadtgesellschaftlichen Umbruch : Verjüngung, Individualisierung, konfessionelle Umschichtung, berufsständische Akzentu¬ ierung Zur Charakterisierung der persönlichen Situation der Migranten konnte aus den kom¬ munalen Melderegistem von Malstatt-Burbach und Diedenhofen bzw. der Volks¬ zählungsunterlagen von Esch/Alz. eine reiche Zahl an Detailerkenntnissen gewonnen werden. Die Ergebnisse anderweitiger Migrationsstudien fanden dabei tendenziell weitgehend Bestätigung. Darüberhinaus war es möglich, den Forschungsstand - vor allem in Hinblick auf den regionalen Kontext - zu differenzieren und teilweise um neue Aspekte zu ergänzen. Auch in anderen Gebieten des sich industrialisierenden Europa handelte es sich bei den Migranten mehrheitlich um männliche und überdurchschnittlich junge Bevölkerungsteile. (S.82ff.) Ein regionales Spezifikum bildete aber der Wandel der Konfessionsverhältnisse in den drei Beobachtungsteilräumen. Dabei veränderte sich jeweils die Gesamtrelation der drei maßgeblichen Konfessionen (Katholiken, Protestanten, Juden) zueinander, wobei sich in Luxemburg und Lothringen neben den jüdischen erstmals umfangreichere protestantische Minderheiten etablierten und im Saarbrücker Bereich die Katholiken gegenüber den bislang dominierenden Protestanten die Oberhand gewannen. In der Saarhüttenstadt wurde die generelle Umgewichtung der Religionsanteile außerdem ergänzt durch einen Wandel der Konfessionsstruktur in einzelnen Berufssparten. Die Analyse der Wanderungsbewegungen offenbarte einen sukzessiven Zuwachs von Protestanten unter der Industriearbeiterschaft, die sich anfangs vornehmlich aus dem katholischen Milieu rekrutierte, während Katholiken zugleich vermehrt Zugang in Handwerksberufe fanden, 321