G. Ergebnisse - Struktur, Folgen und zeitgenössische Rezeption der Binnenwanderungsbewegungen in den Industriestädten des Saar-Lor-Lux-Raumes während der Hochindustrialisierungsperiode Ziel der vorliegenden Studie war die Analyse von Intensität, Richtung, Zusammensetzung und Folgeerscheinungen der Binnenwanderungsbewegungen sowie der Auseinanderset¬ zung der Zeitgenossen mit diesem Massenphänomen im Raum Saarland-Lothringen- Luxemburg zwischen 1856 und 1910. Hierzu wurden in exemplarischer Weise die drei Städte Malstatt-Burbach, Diedenhofen und Esch/Alz. einer vergleichenden Betrachtung unterzogen. Ausgehend vom Tatbestand einer weitreichenden wirtschaftlichen Ver¬ flechtung der deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzregion bereits in der Frühphase der Industrialisierung erfolgte die Untersuchung des regionalen, grenzübergreifenden Vemetzungsprozesses in seiner sozial- und stadthistorischen Dimension von der Mitte der 19. Jahrhunderts bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Der Faktor Grenze - als administrative Trennungslinie sowohl zwischen reichsdeutschen Ländern, als auch zwischen den verschiedenen souveränen Staaten der multinationalen Industriezone - fand dabei besondere Beachtung hinsichtlich seiner Wirkung im sozialhistorischen Kontext der Wanderungsbewegungen. Es hieß zu überprüfen, inwiefern trennende "Grenz¬ schichten" oder durchlässige "Grenzmembranen" den umfangreichen Wanderungsstrom der Hochindustrialisierungsperiode beeinflußten. Es galt der Frage nach Differenzen, Dependenzen und/oder Interferenzen im administrativen Handeln der verschiedenen Kom¬ munal- und Staatsorgane nachzugehen. Die städtebildnerischen Impulse und Effekte der Migrationen - in stadträumlicher wie stadtgesellschaftlicher Hinsicht - sollten unter den verschiedenen einzelstaatlichen normativen Rahmenbedingungen sowie den unter¬ schiedlich nuancierten einzelstädtischen sozioökonomischen Vorbedingungen komparativ herausgearbeitet werden. Letztlich stand die These von sich bis 1914 fortgesetzt verdichtenden, spezifischen urban-gesellschaftlichen Binnenstrukturen in der Saar-Lor- Lux-Region auf dem Prüfstand, die das ökonomische Netzwerk im Untersuchungsraum maßgeblich ergänzten und somit einen relativ konsistenten, grenzübergreifenden Wirt¬ schafts- und Sozialraum konstituierten. Nicht zuletzt der Einsatz bislang wenig angewandter, historisch-sozialwissenschaftlicher Methoden erbrachte eine Vielzahl von Detailergebnissen, welche an dieser Stelle in Hinblick auf die Leitfragestellung nochmals thesenartig zusammengefaßt werden sollen. 319