Die mittlere Bezugsdauer der ersten Wohnung betrug in Diedenhofen wie in Malstatt- Burbach ungefähr ein Jahr.41 Der Fall der Saarhüttenstadt bestätigt aufs neue, daß gerade Familien dazu neigten, an dem einmal gefundenen Wohnraum festzuhalten. Allein¬ stehende siedelten durchschnittlich bereits nach weniger als einem halben Jahr in ein zweites Domizil über, während sich Familien im Schnitt anderthalb Jahre geduldeten.42 Dies kann nicht zuletzt auf den während der Industrialisierungsphase deutlich überlasteten Wohnungsmarkt zurückgeführt werden, was besonders für Familien ernste Probleme bei der Wohnungssuche aufgeworfen haben dürfte. Mehr Informationen über das Umzugsgeschehen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als diese wenigen Einblicke sind angesichts der Quellenlage in den Untersuchungs- gemeinden leider nicht zu erhalten. Wesentliche Merkmale der gesteigerten Binnenmobi¬ lität im städtischen Kontext dürften dennoch deutlich geworden sein: die enorme Quantität des Umzugsgeschehens während der Hochindustrialisierungsperiode, die Permanenz einer saisonalen Komponente in Form zahlreicher kaum halbjährlicher Aufenthalte sowie das recht unterschiedliche Umzugsverhalten von Alleinstehenden und Familien. 41 Die mittlere Bezugsdauer der ersten Wohnung betrug in Malstatt-Burbach 375,7 Tage (SD: 636,5) und in Diedenhofen 375,2 Tage (SD: 794,3). Hinweise zur Häufigkeit des Wohnungs¬ wechsels in der Stadt Esch/Alz. gibt eine statistische Aufstellung, welche infolge der Häuser- und Wohnungsenquäte des Jahres 1909 veröffentlicht wurde. Die mittlere Bezugsdauer von Wohnungen betrug hier gesamtdurchschnittlich 2,6 Jahre. Die Häufigkeit des Wohnungswechsels korrelierte demnach eindeutig mit der Größe der Mietwohnung, indem kleine Wohnungen wesentlich häufiger ihren Mieter wechselten als geräumige Domizüe mit mehreren Zimmern. Daneben zeigte sich die Fluktuation im Arbeiterviertel Grenz um einiges erhöht als im Rest der Gemeinde. Vgl. Häuser- und Wohnungsuntersuchung Luxemburg, Teil 2, S.168. 42 Die durchschnittliche Bezugsdauer der ersten Wohnung betrug seitens der "Singles" 138,2 Tage (SD: 1793) und bei den Familienwanderem 6063 Tage (SD: 1.080,4). Die mittlere Bezugsdauer jeder weiteren Wohnung lag daraufhin im Schnitt höher als die des jeweüs zuvor genutzten Domizils. 251