xemburgischen Hüttenstadt nicht in Deutschland geboren, im Jahre 1890 handelte es sich um ungefähr ein Drittel der Ausländer in Esch. Die Italiener tauchten erstmals in der Volkszählung von 1890 mit einem bescheidenen Prozentsatz (0,4%) auf, waren aber be¬ reits im Jahre 1900 - wie auch in den beiden Vergleichsstädten - sehr zahlreich vertreten (8,3%), indem sie hier mehr als die Hälfte der nicht-deutschen Ausländer der Gemeinde stellten. Die italienischen Zuzugskontingente bezifferten sich unmittelbar vor dem ersten Weltkrieg jährlich auf das Zwei- bis Dreifache der deutschen Immigration. Im Jahre 1910 waren zwei Drittel (66,4%) der knapp 3.000 Zuwanderer nach Esch Italiener gegenüber etwa einem Viertel (26,1%) Deutsche. Die restlichen Immigranten zogen schwerpunkt¬ mäßig aus Frankreich (2,4%) und Belgien (1,1%) zu.125 Die Austauschbeziehungen zwischen Esch und den beiden dominierenden west- und nordeuropäischen Staaten Belgien und Frankreich waren im Vorfeld einem spezifischen Wandlungsprozeß unterworfen. Während der belgische Bevölkerungsteil in Esch einen vehementen relativen Rückgang verzeichnete, vergrößerte sich der Prozentsatz der gebürtigen Franzosen an der Gesamteinwohnerschaft kontinuierlich. Die Bande zwischen Luxemburg und Belgien, welche bis ins Jahr 1839 einem gemeinsamen Herrscher untertan gewesen waren, lockerten sich offensichtlich im Verlauf der Industrialisierung. Die Belgier orientierten sich anscheinend verstärkt auf ihre eigenen Industriegebiete und in Richtung des französischen Nachbarn. Auch Luxemburg dürfte ganz allgemein an einer Intensivierung seiner Kontakte zu Frankreich interessiert gewesen sein, um die Wirt¬ schaftsunion mit dem Deutschen Reich keinesfalls zu einer (vielfach befürchteten) nationalistisch-expansionistischen Umklammerung ausarten zu lassen. Es ist anzunehmen, daß schon deswegen der Wanderungsaustausch mit der Französischen Republik gerne gesehen wurde. Die Betrachtung der bedeutendsten außerdeutschen Wanderungsbeiträge aus Belgien, Frankreich sowie Italien in die drei Untersuchungsstädte Diedenhofen, Esch und Malstatt- Burbach soll an dieser Stelle etwas vertieft werden. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Frage gerichtet sein, welche Départements bzw. Provinzen insbesondere das Wanderungsgeschehen mit den Industriestädten des Saar-Lor-Lux-Raumes trugen. Handelte es sich bei den Migrationen hinsichtlich Frankreichs oder auch Belgiens um ein Grenzraumphänomen? Welche Rolle spielten Femwanderungen im französischen wie belgischen Kontext? Welche Regionen der Apenninhalbinsel nährten vorzugsweise die italienischen Wanderungsströme? Welche Rolle spielte der Zuzug aus den italienischen Siedlungsgebieten im habsburgischen Staatsverband? 125 Vgl. ebda., S.42. 172