anlagen notwendig machte. Der Zuzug aus den ländlichen Regionen Luxemburgs und der Pfalz wurde zwar in absoluten Zahlen nicht schwächer, doch verlor er relativ an Be¬ deutung im industriell-gewerblichen Zuwandererstrom. Die Migration aus bzw. in den rheinisch-westfälischen Raum blieb ebenfalls keineswegs aus, sie konnte aber nicht der dynamischen Entwicklung der Wanderungsströme aus bzw. in andere deutsche Regionen standhalten, die für Diedenhofen anteilmäßig größere Wandererpotentiale freizusetzten vermochten. Als nach der Jahrhundertwende das Zuzugsaufkommen aus Deutschland insgesamt mit dem wirtschaftlichen Wachstum in der lothringischen Hüttenstadt nicht mehr Schritt halten konnte, wurde der Arbeitskräftebedarf - die politischen Rahmenbe¬ dingungen hatten sich diesbezüglich allgemein wieder verbessert - schwerpunktmäßig auch mit ausländischen Arbeitskräften gedeckt. 3.2.3 Esch-an-der-Alzetteu9 Für Esch/Alz. bildete, nicht anders als für die beiden benachbarten Teilregionen Loth¬ ringen und Saar, trotz seiner Lage im äußersten Süden Luxemburgs, das eigene Staatster¬ ritorium die primäre Migrationszone. Denn zwischen 85 und 68 von 100 Einwohnern der Gemeinde waren im Zeitraum von 1871 bis 1900 gebürtige Luxemburger. (Tab.31) Dabei scheint es im Gegensatz zu Diedenhofen keinesfalls zu einer Einengung des innerluxemburgischen Einzugsbereiches des Industriezentrums gekommen zu sein. Der Anteil der aus dem bassin minier stammenden Luxemburger betrug konstant zirka 74 Prozent gegenüber 26 Prozent Luxemburgern mit Geburtsorten im Norden des Großher¬ zogtums. Die Luxemburger verloren aber in ihrer Gesamtheit permanent an Gewicht in der Einwohnerschaft. Der Ausländeranteil in der Bevölkerung bezifferte sich im Jahre 1871 schon auf 15 Prozent, 1890 auf mehr als 20 Prozent und stieg in gerade einmal zehn Jahren auf über 31 Prozent im Jahre 1900 an.120 Die benachbarten Gebiete der Saar-Lor-Lux-Region waren, sofern die Volkszählungen darüber Aufschluß geben, allerdings am Escher Wanderungsgeschehen nicht so sehr stark beteiligt. Nur zwischen vier und etwas über sechs Prozent der Einwohner waren an der Saar oder in Lothringen geboren. Im Jahre 1910 dürften schätzungsweise sechs bis sieben 119 Zur Landschaftseinteüung in Tab.31 vgl. Anhang B3. Der in Tab.31 ausgewiesene Rang bezieht sich auf den Stellenwert einer Landschaft bzw. eines Staates bezüglich der gesamten Untersuchungsperiode. 120 Der Ausländeranteü an der Gesamtbevölkerung betrug im Jahre 1900 in Esch gemäß Didlinger 36,6%, in den NachbargemeindenDifferdingen 46,4%, Düdelingen 40,0% und Rümelingen 36,5%. Diese Anteilswerte stiegen bis ins Jahr 1910 in der Gemeinden Esch auf 45,8% an und in Differdingen auf 51,4%, während die ausländische Bevölkerung in Rümelingen prozentual stagnierte und in Düdelingen auf 36,6% zurückging. Vgl. Didlinger, Ausländische Bevölkerung Esch/Alz., S.236. 168