Februar und April zum Spitzenmonat im Kontext des jahreszeitlichen Zuzugsschwer¬ punkts. Vor einem weiterführenden inhaltlichen Interpretationsversuch lohnt sich ein vergleichen¬ der Blick auf das Abwanderungsverhaiten der Zuzügler. (Abb.12)31 Auffälligerweise zeigen die Abwanderungs- und die Zuwanderungssaison hochgradige Übereinstimmun¬ gen. Vor allem für Malstatt-Burbach sind kaum Abweichungen festzustellen, abgesehen von der etwas erhöhten Emigrationsneigung zq Beginn des Frühjahrs (Februar, März) sowie dem kurzen sommerlichen Abwanderungsboom im Monat Juli während der Krisen¬ periode (1876-1889). Die höchsten bzw. niedrigsten Abwanderungs- und Zuzugsquoten wurden in der saarländischen Gemeinde in der Regel aber in denselben Monaten erreicht. In Jahren mit Wanderungsüberschüssen wie in Jahren mit Wanderungsdefiziten dürften die Gewinne bzw. Verluste folglich in den gleichen Monaten zustande gekommen sein. Mit Einschränkungen gilt dies auch für Diedenhofen. Die Grundstruktur von Zu- und Abwanderung ist ähnlich, in der letzten Phase allerdings zeitlich um einen Monat versetzt, in der ersten Phase gleichermaßen stark variierend mit intensiven Kurvenausschlägen, jedoch fast in spiegelbildlicher Abfolge. Diese verschiedenen Verläufe der Wanderungssaison stehen in einem direkten Abhängig¬ keitsverhältnis zur Beschäftigungssaison innerhalb der Städte und in ihrem agrarisch geprägten Umland.32 Der Einfluß der ländlichen Saison auf Malstatt-Burbach war aufgrund des rasanten industriellen Aufschwungs schon im ersten Untersuchungsteilzeitraum (A) nur noch rudimentär, wenn auch stetig, spürbar. Es gab offensichtlich keinen Monat, in dem der Zuzug im Verhältnis zur Abwanderung (oder umgekehrt) eindeutig dominierte. Die Frei¬ setzung oder Bindung von Arbeitskräften durch die einem eigenen Jahresrhythmus unterworfene Landwirtschaft beeinflußte die städtische Wanderungssaison also bereits seit den 1860er Jahren nicht mehr in dem Maße, daß es zu Überschneidungen gekommen wäre. Die allmähliche Verlagerung des Mobilitätsmaximums vom Herbst auf das Frühjahr 31 In die Analyse der Abwanderungen wurden hier ausschließlich die Abzüge der in den Anmelderegistem verzeichneten Personen miteinbezogen. In Diedenhofen wurde kein eigenes Abmelderegister geführt; das Malstatt-Burbacher Abmelderegister wurde nicht eigens ausgewertet. Die Datengrundlage des dargestellten saisonalen Abzugsverhaltens in Abb.12 bilden die Abmelde- vermerke in den Anmelderegistem. Vgl. Kapitel C. Die monatlichen Abmeldesaisonkennziffem wurden für die drei Untersuchungsphasen gemäß ihrem durchschnittlichen prozentualen Anteil an der Zuwanderung umgerechnet und somit maßstabsgetreu in die graphische Darstellung der Anmeldesaison eingetragen. Der prozentuale Anteil der Abwanderung an der Zuwanderung in Malstatt-Burbach betrug bis 1875 durchschnittlich 48,9 Prozent, von 1876 bis 1889 1083 Prozent und nach 1889 89,1 Prozent. In Diedenhofen kamen von 1883 bis 1889 auf 100 Immigranten zirka 91 Emigranten, nach 1889 waren es zirka 92 Abwanderer. 32 Vgl. hierzu allgemein Heberle/ Meyer, Großstädte, S.171£f. 77