3. Melderegisterumfang und Arbeitsdatensatz Die polizeilichen Meldebehörden von Diedenhofen und Malstatt-Burbach beurkundeten zwischen 1856 bzw. 1883 und 1909 in den beiden Städten zusammen alleine über 150.000 Zuzüge, an denen schätzungsweise 230.000 Personen beteiligt waren. Diese Grundgesamtheit wurde stichprobenmäßig in einen aus neun Zeit- bzw. Berufs-Kohorten bestehenden Arbeitsdatensatz überführt, der 14.091 Anmeldungen mit 19.516 Zuwande- rem umfaßt. (Tab.4) Darin enthalten ist eine Gesamtaufnahme des Registers der Arbeiter der Burbacher Hütte (1875-1894).48 Die anderen berufsspezifischen Register sowie der Familienregisterbe¬ stand der saarländischen Untersuchungsgemeinde, bestehend aus dem allgemeinen Melderegister, dem Familienanmelderegister und der Kreis-Melde-Kartei, werden durch je gesonderte Stichproben (Samples) abgebildet. Diese wiederum wurden, um drei ver¬ gleichbare Zeitkohorten für die Zeitabschnitte 1856 bis 1875, 1876 bis 1889 und 1890 bis 1901 bzw. 1909 zu erhalten, soweit möglich proportional geschichtet.49 Die Ab¬ grenzung dieser Zeiträume erfolgte aufgrund der Gesamtbevölkerungsentwicklung in den drei Kommunen, die unter dem Einfluß der Wirtschaftskonjunktur nach einer Wachstumsphase in den 50er und 60er Jahren Mitte der 1870er Jahre stagnierte, um Ende der 1880er Jahre wieder deutliche Zugewinne zu verzeichnen.50 Der weniger umfangreiche und administrativ weniger aufgegliederte Melderegisterbestand in Thionvilie (Diedenhofen) veranlaßte zur Beschränkung auf eine weniger differenzierte Stichprobenerhebung. In einem einzigen Sample sind proportional geschichtet alle Jahrgänge von 1883 bis 1910 enthalten. Das Grundkriterium für die Mächtigkeit aller lancierten Zufallsstichproben war eine möglichst hohe Genauigkeit der Ergebnisse. Für Prozentwerte, die aufgrund der Stich- 48 Dieser Teildatensatz wurde dem Vf. dankenswerterweise von Olaf Marx (Trier) zur Verfügung gestellt, der auf dieser Basis bereits eine detaillierte Analyse im Rahmen seiner unveröffentlichten Magisterarbeit vorgenommen hat: Marx, Olaf: Die Arbeiter der Burbacher Hütte bei Saarbrücken (1875-1901), Magisterarbeit Trier 1990. Marx hat dabei in nicht ganz unproblematischer Weise den im Hüttenarbeiter-Register erfaßten Personenkreis um die Personen in den anderen Melderegistem erweitert, welche eindeutig als Hüttenarbeiter zu identifizieren waren. Diese records wurden im Arbeitsdatensatz zur vorliegenden Arbeit im Vorfeld der Auswertung wieder eliminiert. 49 Proportionale Schichtung bedeutet in diesem Zusammenhang, daß die drei Teilstichproben nach dem tatsächlichen zahlenmäßigen Umfang der Migrationen in den drei vordefinierten Zeitab¬ schnitten entweder gleich im richtigen Zahlenverhältnis zueinander erhoben worden sind oder aber entsprechend gewichtet in der Auswertung berücksichtigt wurden, falls eine proportionale Erhebung die Ergebnisgenauigkeit stark beeinträchtigt hätte. 50 Vgl. Kapitel B. 50