sonen, aber auch Fremde und Reisende, welche in den Zuständigkeitsbereich der Fremdenpolizei fielen,7 Die Bevölkerungsstatistik in Preußen litt zu diesem Zeitpunkt unter einer erheblichen Kompetenzenaufsplitterung. Lebensdaten wurden in weiten Landesteilen noch durch die Kirchen erhoben, Volkszählungen führte das Statistische Büreau durch, Steuerlisten wur¬ den unter der Regie des Finanzministeriums erstellt, die fluktuierenden Bevölkerungsteile erfaßte im Falle preußischer Staatsbürger die Ortspolizei, Ausländer jedoch die Frem¬ denpolizei.8 Die beschleunigte industrielle Entwicklung seit Beginn der 1850er Jahre, begleitet von größeren Bevölkerungsbewegungen, erzwang zumindest eine Überarbeitung und Straffung des polizeilichen Meldewesens, indem den Ortspolizeibehörden nun die Gesamtver- antwortung für die exakte und erstmals auch fortlaufende Registrierung aller mobilen Bevölkenmgsteile übertragen wurde, zwecks ständiger Korrektur der Klassensteuerrollen. Das Trierer Regierungspräsidium erließ in diesem Sinne im August 1856 eine Polizeiver¬ ordnung zur Meldung neu anziehender Personen. Diese Direktive legte die seitens der Meldestelle aufzunehmenden detaillierten Angaben zu den anziehenden Personen fest, bestimmte eine Meldefrist von 14 Tagen, und zwar für den Zuwanderer selbst, unter Androhung einer Strafe von bis zu 10 Talern bei Zuwiderhandlung.9 Neuartig war hierbei die Registrierung aller Zuwanderer, ob es sich um Ausländer, Ortsfremde oder Neubürger handelte, welcher man als Preuße auf Antrag durch Stadtratsbeschluß und Zahlung eines Bürgereinkaufsgeldes werden konnte. Ein umfassendes Meldewesen im heutigen Sinne wurde jedoch erst mit der Verordnungs¬ novelle des Jahres 1874 geschaffen. Jeder Zuzug in eine Ortschaft sowie jeder Umzug innerhalb einer Ortschaft sollten gemäß diesem Erlaß im Zeitraum von drei Tagen danach, jeder Abzug aus einer Ortschaft im voraus der zuständigen Meldestelle bei der Ortspolizei durch den Migranten schriftlich oder mündlich angezeigt werden.10 Diese Vorgaben bildeten auch das Kernstück der Meldeverordnungen von 1892 und 1900, welche die 7 Vgl. Gesetzsammlung für die Königlich Preußischen Staaten, Gesetz über die Aufnahme neu anziehender Personen vom 31.12.1842 (=№.2317). Unter "Fremden" sind hier "Ausländer" zu verstehen. 3 Vgl. Jackson, Alltagsgeschichte, S.29f. 9 Vgl. Amtsblatt der Regierung zu Trier, BPolVO betr. die Meldung neu anziehender Personen vom 21.8.1856. Registriert werden sollten Vor- und Zunahme, Stand bzw. Beruf, Alter, Ge¬ burtsort, Ehepartner, Kinder sowie der letzte Wohnort des Zuziehenden. Zu beachten ist die Meldepflicht des Zuwanderers selbst, während die vorherigen Regelungen eine Meldung seitens des Wohnungsgebers forderten. 10 Vgl. Saarbrücker Kreis-Blatt, BPolVO betr. das Meldewesen vom 22.12.1874 mit Gültigkeit ab dem 1.9.1875. 38