deutlich vernachlässigt. Die auf der Ebene des Metropolenvergleichs richtungsweisenden Werke von Paul M. Hohenberg und L.H. Lees, von Anthony Sutcliffe, Thomas Hall oder von Jean-Luc Pinol haben bis in die Gegenwart nur vergleichsweise wenig Nachahmer gefunden.18 Grenzraumvergleiche, denen sich bereits in den 1960er Jahren beispielsweise der Geograph André Traband und Ende der 1980er Jahre die Historiker Rolf Wittenbrock und Rainer Hudemann gewidmet haben, sind gerade in der Stadtgeschichtsschreibung äußerst selten geblieben.19 2. Die Bevölkerungs- und Migrationsgeschichte Diskreditiert durch ihre Involvierung in die Rassenpolitik der Nationalsozialisten, hinkte die bis in die 1930er Jahre allgemein anerkannte deutsche Bevölkerungswissenschaft ähnlich wie die Stadtgeschichtsforschung nach 1945 lange dem in Frankreich und England erreichten Forschungsstandard hinterher.20 Die Vielzahl von historisch-demographischen Arbeiten, die in den letzten Jahren erschienen ist, bereichert nicht nur die allgemeine deutsche Bevölkerungswissenschaft, sondern belegt, daß mittlerweile der Anschluß an die - im englisch- und französischspra¬ chigen Raum stark demographisch orientierte - internationale Forschung gefunden wurde. Studien wie die von Arthur E. Imhof, Etienne François und Peter Burg zum demogra¬ phischen Umbruch, den der Übergang von der alten Bevölkerungsweise mit hoher Fruchtbarkeit und hoher Sterblichkeit zur neuen Bevölkerungsweise zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert bedeutete, dokumentieren die Fortschritte der demographischen 18 Hohenberg, Paul M./ Lees, L.H.: The Making of Urban Europe (1000-1950), Cambridge/Mass. 1985; Hall, Thomas: Planung europäischer Hauptstädte. Zur Entwicklung des Städtebaus im 19. und 20. Jahrhundert, Göteborg 1986; Sutcliffe, Anthony: Towards the Planned City, Oxford 1981; Pinol, Jean-Luc: Le monde des villes au XIXe siècle, Paris 1990. 19 Traband, André: Villes du Rhin. Strasbourg et Mannheim-Ludwigshafen. Etude de géographie comparée, Paris 1966; Wittenbrock, Rolf: Bauordnungen als Instrumente der Stadtplanung im ReichslandElsaß-Lothringen(1870-1918). Aspekte der Urbanisierung im deutsch-französischen Grenzraum, St.Ingbert 1989; Hudemann, Rainer/ ders. (Hg.): Stadtentwicklung im deutsch¬ französisch-luxemburgischen Grenzraum (19. und 20. Jahrhundert), Saarbrücken 1991. Das Interesse an international-vergleichenden Studien ist bislang bei den Stadtgeographen etwas stärker ausgeprägt als bei den Stadthistorikem. Darüberhinaus ist in diesem Zusammenhang auch auf den (raum)planungswissenschaftlichen Forschungsbereich zu verweisen, für den u.a. folgende Dissertation vorliegt: Kong, Jan-Pyo: Zum Wandel der Siedlungsstruktur im Industrialisierungs¬ prozeß am Beispiel der Städte Dortmund und Kitakyushu, Diss. Berlin 1979. 20 Vgl. Rödel, Walter G.: Bevölkerungsgeschichte, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 119/1983, S.301-324, hier: 301f. 8