allgemeinverständlich vorzustellen, wurde bezüglich der vorliegenden Arbeit gleichfalls als sinnvoll erachtet. Drittens unterscheidet sich die Themenwahl etwas von der weithin üblichen historiogra- phischen Praxis. Studien, die sich durch eine interdisziplinär-international-vergleichende Herangehensweise auszeichnen, sind bisher in der Geschichtswissenschaft selten geblieben, vor allem im Hinblick auf die Grenzraumfragestellung. Komparative stadt¬ geschichtliche Arbeiten beinhalten, sofern sie die zwischenstaatliche Ebene betreffen, zumeist Metropolenvergleiche. Im vorliegenden Falle ist es dagegen ein Anliegen, verschiedene Nationalgeschichtsschreibungen sowie speziell verschiedene regionalhistori¬ sche Traditionen miteinander zu verknüpfen und somit die Perspektive für eine grenz- übergreifende, periphere Geschichtslandschaft zu öffnen. Das Konzept des Sonderfor¬ schungsbereiches "Vergleichende geschichtliche Städteforschung", den die DFG zwischen 1976 und 1986 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster förderte, wird in einem neuen thematischen Zusammenhang wieder aufgegriffen und partiell erweitert.8 Es wird der Versuch unternommen, bevölkerungsgeschichtliche, sozialgeschichtliche, politikgeschichtliche, wirtschaftsgeschichtliche, stadtgeographische, regionalhistorische und stadtgeschichtliche Forschungsansätze zu einer vergleichenden Betrachtung dreier benachbarter Städte unter dem Einfluß der Binnenwanderungsbewegungen des Indu¬ striezeitalters zu nutzen. Dieses Untersuchungskonzept entstand im Zusammenhang mit der inhaltlichen Vorbereitung des seit 1991 von der DFG an der Universität des Saarlan¬ des geförderten Forschungsprojektes zur "Stadtentwicklung im deutsch-französisch¬ luxemburgischen Grenzraum im 19. und 20. Jahrhundert", dessen Erkenntnisinteresse sich bislang allerdings vordringlich auf das Wohnungswesen und die Stadtplanung richtet. Der damit in mehrfacher Hinsicht innovative Anspruch der vorliegenden Studie bedingt, daß verschiedentlich die Möglichkeiten, neue historiographische Wege zu beschreiten, ausgelotet werden mußten, was den thesenhaften Charakter bestimmter Teilergebnisse begründet. Die Vorgehensweise war im voraus weniger theoriegeleitet, wodurch die Untersuchung nicht der bloßen Verifizierung bzw. Falsifizierung von ausformulierten Hypothesen dienen konnte. In methodischer Hinsicht stand der sozusagen "spielerische", d.h. explorative Umgang mit dem (quantitativen) Datenmaterial, die Suche nach den Aus¬ sagemöglichkeiten, welche die Quellen unter den verschiedensten Gesichtspunkten bargen, im Vordergrund. Nicht zuletzt erweist die Ausländer- und Asyldebatte im Deutschland der frühen 1990er Jahre die immer wiederkehrende thematische Aktualität und tagespolitische Relevanz von Migrationsforschung in komplexen gesellschaftlichen Kontexten. * Vgl. Annotierte Gesamtbibliographie des Sonderforschungsbereiches 164 "Vergleichende geschichtliche Städteforschung" der Westfälischen Wilhelms-Universität (1976-1988), Münster 1989. 5