2.1.2. Remigius von Mettlach als Lehrer und Schriftsteller „Ad maiorem gloriam Mediolacensis“ hat Remigius in der Sicht des Anonymus vorrangig als Klosterlehrer gewirkt (Diese Gewichtung hat vierhundert Jahre später Trithemius übernommen, nicht zuletzt in Projizierung auf seine eigene Sponheimer Lehrtätigkeit).24 Aus allen Teilen Galliens seien Mönche und Kleriker zu dieser Quelle der Weisheit ge¬ strömt, um in den geistlichen und weltlichen Wissensdisziplinen Unterweisung zu er¬ fahren. Die begabtesten unter ihnen seien bis zur Abts-, ja sogar Bischofswürde emporge¬ stiegen.25 Zu ihnen zählten die Touler Bischöfe Stephan und Robert und vielleicht auch der Prümer Mönch und spätere Abt der Reichenau Berno.26 Leider ist das alte Prümer Ne¬ krolog, das vornehmlich die Beziehungen des Eifelklosters zu den übrigen Abteien der Trierer Diözese und des lothringischen Raumes widerspiegelte, verlorengegangen.27 Die Miracula erwecken den Anschein, als habe Remigius erst als Abt in Mettlach unterrichtet. Die Bertha-Urkunde von Februar 995 führt keinen Mettlacher Abt auf; ist der Stuhl noch vakant aufgrund der Streitigkeiten um Hezzel, oder ist das Fehlen nur in der unbefriedi¬ genden Überlieferung begründet? Setzt man für den Beginn seiner Amtszeit 994/995 an (jedenfalls nach dem Tod Egberts am 8. 12. 993) und berücksichtigt die Gerbert-Briefe an den „monachusTreverensis“ der Jahre 988-990, so führt dies zu der letztlich nicht mit Si¬ cherheit zu entscheidenden Frage seiner Vita, ob sich bereits vorher, etwa zur Zeit des Ger- bert-SchülersNizo 1.(980-986), Bindungen an Mettlach nachweisen lassen. Das ist jedoch sehr wahrscheinlich, wenn man bedenkt, wie beeindruckt sich der Anonymus von der Souveränität zeigt, mit der Nizo und sein nicht genannter Mitschüler in Reims ihr frisch erworbenes Wissen an die Mettlacher Brüder weitervermittelten.28 Als Nachfolger des Germanus im Amt des Magisters der Klosterschule wäre auch Remigius entscheidend von dem Umschwung 986/87 nach dem Tod Nizos betroffen gewesen; die Formulierung Ger- berts Vos solum gravia patt putatis29 deutet auf die Streitigkeiten, die bereits Nizos letzte 24 Gut beobachtet von Brann, Trithemius, S.107L: „. . .The parallel between Remigius at home in St. Luthuin (sic!), educator to the ecclesiastical princes of Europe, and Trithemius at home in St. Martin could not be more blatantly suggested.“ 25 MGH SS XV,2, S. 1266, Z. 2-9; eine anschauliche Schilderung des Schulbetriebs der 980er Jahre bietet der Libellus Scolasticus des Walther von Speyer. Vgl. auch Glauche, Schullektüre. 26 zu Stephan und Robert s. Kap. 1.2.1.; der 994 in Mettlach konsekrierte Stephan kann aber nicht der „Klosterschule unter Abt Remigius“ (Raach, Mettlach, S.53, Anm. 92) angehört haben. Schu¬ lische Kontakte Mettlachs mit Prüm sind nach der Jahrtausendwende belegt, s. Kap. 1.1.4. Über den Ausbildungsort Bernos (1008-1048 Abt der Reichenau) herrscht Ungewißheit: St.Gallen und Fleury - hier unter Abt Abbo - sind verschiedentlich ins Spiel gebracht worden, freilich ohne schlagenden Beweis, und werden von der neueren Literatur abgelehnt (s. Oesch, Berno, S. 32f. u. H. Hüschen, Bern (Berno) von Reichenau, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasser¬ lexikon I, Berlin-New York 19782, Sp. 737-743). Mit Abt Hildrad von Prüm, der auch kurze Zeit dem Mettlacher Konvent Vorstand, war Berno von Kindheit an freundschaftlich verbunden; ein Brief von ihm an Hildrad ist überliefert (PL 142, Kol. 1162). Berno ist von den Zeitgenossen vor¬ rangig als „musicus“ eingeschätzt worden, so hat er für das St.Willibrordskloster in Echternach eine Sequenz verfaßt (K.-M. Heinz, Die Sequenzen zu Ehren des hl. Willibrord. Text und Melo¬ dien nach den Quellen, in: P. Schritz/A. Hoffmann [Hrsg.], Abteistadt Echternach - Cité abba¬ tiale. Festschrift Georges Kiesel, Luxemburg 1981, S. 169-188). Sein Geburtsjahr ist spätestens 978. 27 s. G. Althoff, Die Beziehungen zwischen Fulda und Prüm im 11. Jh., in: Die Klostergemeinschaft von Fulda im früheren Mittelalter, 3 Bde., München 1978, Bd. 2,2, S. 888-930, v.a. S. 911 28 s. Kap. 1.1.2. 29 Weigle, Briefsammlung, Nr. 72 48