rekte Rehabilitierung erfuhr er erst durch das epigraphische Gutachten Laufners, der die Inschriften am Rauchfaß auf die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts datiert.45 Dennoch halte ich die Anbindung des Mettlacher Mönches Gausbert an den Abt Folcoldus und eine „Mettlacher Kunstschule“ für nicht haltbar. Folcoldus wird in den „Miracula“ vom An¬ onymus gerade eines Satzes gewürdigt, in dem kaum mehr zum Ausdruck kommt, als daß er auf den großen Leistungen seines Vorgängers aufbauen konnte.46 Solch künstlerisches Mäzenatentum wie die Stiftung eines großen Brunnens hätte der Anonymus - seinen be¬ kannten Lokalpatriotismus vorausgesetzt - sicher ebensowenig verschwiegen wie die Exi¬ stenz eines etwa für Egbert arbeitenden Ateliers. Weiter hilft einzig ein Blick auf den Reimser Kontext. Bald nach der Rückkehr Gausberts nach Trier beziehungsweise Mettlach schickt Adalbero Gold und Preziosen nach Trier und bittet Egbert, ihm daraus ein kunstvolles Kreuz anfertigen zu lassen.47 Einige Monate später bittet er um Sendung des fertiggestellten Kreuzes zum 1. 11. 987 nach Verdun,48 die auch erfolgt ist, denn ein gutes halbes Jahr später verbindet Adalbero beste Genesungs¬ wünsche - Egbert hatte gerade eine schwere Erkrankung überstanden - mit einer bewun¬ dernden Schilderung des Trierer Kunstwerkes.49 Im gleichen Jahr erscheint auch der zu¬ künftige St.Maximiner Abt Folcmar in der Nähe Gerberts, der ihn in einem Schreiben an Erzbischof Everger von Köln als spectabilis vir rühmt.50 Das eingangs so seltsam berüh¬ rende zähe Taktieren Adalberos und seines Sekretärs Gerbert um den Aufenthalt Gaus¬ berts in Reims findet so eine zwanglose Erklärung. Der begabte junge Künstler wird auch bei Gerbert zeitweise Schüler gewesen sein, worauf das zweite Schreiben Adalberos mit seiner Erwähnung der „studia“ hindeutet.51 Darauf lag aber nicht das Hauptgewicht seiner Tätigkeit, und seine volle Entfaltung als Goldschmied und Werkstättenleiter fand er nach seiner Rückkehr bei dem kunstsinnigen Abt Folcmar von St. Maximin. Neben dem schon erwähnten Brunnen und dem Rauchfaß sind ihm die bronzenen Löwenfüße am Egbertschrein zuzuschreiben.52 Von einigen Autoren wird er ferner noch in Anspruch genommen für ein heute in Köln befindliches Bronzefigürchen des heiligen Johannes und 45 Laufner, Datierung, S. 27; dies ist eine wichtige Korrektur gegenüber noch weitaus späteren Da¬ tierungsansätzen (z. B. N. Irsch, Der Dom zu Trier [Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz Bd. 13/ 1], Düsseldorf 1931, S. 341 -343 oder Hoffmann-Curtius, Programm, S. 83), legitimiert aber noch die spätottonische Zuordnung. 46 MGH SS XV,2, S. 1267, Z. 14-16; im Mettlacher Kreuzreliquiar aus dem 13. Jh. ist er zwar ab¬ gebildet, doch wohl eher wegen seiner Verdienste um Mettlacher Gütererwerb in Losheim. 47 Weigle, Briefsammlung, Nr. 104 (Sommer 987): Destinato open designatas mittimus species. Ad¬ mirabilem formam, et que mentem et oculos pascat, frater efficiet fratri, soror sorori. Exiguam materiam nostram magnum ac celebre ingenium vestrum nobilitabit cum adiectione vitri tum compositione artificis elegantis. Vgl. hierzu Westermann-Angerhausen, Überlegungen, S. 216 48 Weigle, Briefsammlung, Nr. 106 (Anfang Oktober 987) 49 ebd., Nr. 126 (Sommer 988): . . .Nec nos soli dulcem affectum vestrum circa nos sentimus. Sen¬ tiunt et illi, qui admirabile opus crucis a vobis nostro nomini elaborate, non sine magna oblectat¬ ione conspiciunt, in quo pignus amicitie eternitatem sibi affectat. 50 ebd., Nr. 101 (Ende April 987); vgl. hierzu Böhmer-Uhlirz, Regesta Imperii 11,3, Nr. 998/Ib 51 Gerbert übte auch in den 980er Jahren - wenn auch nur mehr sporadisch - seine Lehrtätigkeit in Reims aus. Beleg ist hierfür Weigle, Briefsammlung, Nr. 92 (Jahreswende 986/87): . . .vel quod interdum nobilissimis scolasticis disciplinarum liberalium suaves fructus ad vescendum offero. . . 52 Kempf, Benna Treverensis, S. 193; vorsichtig zustimmend auch Westermann-Angerhausen, Goldschmiedearbeiten, S. 86 u. 100 19