zum anderen engt das vorhandene eigene Netz der jeweiligen Grubenverwaltungen den vorhandenen Freiraum für neue Trassen im dichtbesiedelten Industriegebiet ein98. Netzsicherung und -ausbau erforderten seit Jahrzehnten den weitaus größten Anteil an den Investitionen der VSE (vgl. Tab. 66). Der Übernahme verschiedener Ei¬ genbetriebe um 1970 folgte eine weitgehende Erneuerung der betreffenden Nieder¬ spannungsverteilungsanlagen. Diese Maßnahmen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Elektrizitätsversorgung an der Saar: Kaum eine der meist klei¬ neren, früher selbst verteilenden Gemeinden war finanziell in der Lage, das Ortsnetz durch der Versorgungssicherheit dienende notwendige Erneuerungen und Erweite¬ rungen dem steigenden Bedarf anzupassen. Die gesamte Netzführung wurde zentral für das Versorgungsgebiet der VSE in Geislau¬ tern zusammengefaßt, von wo Kraftwerkseinsatz und Lastverteilung gesteuert wer¬ den. Zwischen der regionalen Netzführung und den leichter zu bewältigenden Aufga¬ ben im Bereich der lokalen Versorgung, beispielsweise eines Stadt Werkes, bestehen große Unterschiede. Bei letzteren sind die zu überwindenden Entfernungen erheblich kürzer, die Abnahmedichte, also die Belastung pro qkm, und damit die Wirksamkeit der Netzsteuerstellen wesentlich höher. Planung und Ausführung der Netzanlagen spiel(t)en bei der VSE als Regionalversorgungsunternehmen eine entscheidende Rolle, bei Netzführung und Lastverteilung rangiert aber eindeutig die Sicherheit der Strom¬ versorgung vor ökonomischen Einzelüberlegungen99. Zum schnellen Aufdecken von Störungen ging die Entwicklung bei der VSE seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich zu Fernmessen, Fernübertragung und Fernwirken. Hierzu mußte ein stark verzweigtes eigenes Meß-, Wirk- und Meldenetz aufgebaut werden100. Die hier nur knapp skizzierten Netzanlagen des Unternehmens verdeutlichen dennoch, weshalb in diesen Bereich der weitaus überwiegende Teil der Investitionen der VSE fließt (vgl. Tab. 66). Die VSE gehört zwar flächenmäßig nicht zu den größten Versorgungsunternehmen der sogenannten Regionalstufe, rangierte aber, von der nutzbaren Stromabgabe her ge¬ sehen, im Jahre 1974 ganz vorne unter den Mitgliedern der „Arbeitsgemeinschaft Re¬ gionaler Energieversorgungsunternehmen — ARE“. Die in dieser Vereinigung zusam¬ mengeschlossenen Versorgungsunternehmen belieferten 1974 etwa 43% der bundes¬ deutschen Bevölkerung auf 65% der Fläche der Bundesrepublik mit elektrischer Energie, während sie bei der Stromabgabe etwa einen Anteil von etwas über einem Drittel erreichten. Diese Werte verdeutlichen, daß den Mitgliedsunternehmen der ARE die undankbarere und schwierigere Aufgabe innerhalb der deutschen Elektrizi¬ tätswirtschaft zukommt, die wirtschaftlich weniger günstig zu versorgenden Gebiete abseits der großen Ballungszentren mit elektrischer Energie zu beliefern. Unter diesen Versorgungsunternehmen verbucht(e) die VSE sowohl von der technischen Leistung wie auch von der wirtschaftlichen Ertragskraft her gesehen durchweg einen der vorde¬ ren Plätze101. 98 Schommers (1976), S. 158. 99 Schommers (1979), S. 377. 100 Ebd. 101 Arbeitsgemeinschaft Regionaler EVU (1976), S. 14. 319