deutete einen erneuten Rückschlag für die VSE-Verhandlungen, denn angesichts der gesicherten Abnahme konnten die Saarbergwerke ihre Leistungs- und Arbeitspreisan¬ gebote weiter erhöhen, da sie die VSE in einem Abnahmezwang wußten. Dem RWE war offensichtlich nicht daran gelegen, daß die VSE eigene Kraftwerkska: pazitäten zum Stromexport aus dem Saarland nach Süddeutschland aufbauten169, wes¬ halb das Essener Unternehmen sich zunächst die gesamte freie Kraftwerksleistung von Saarberg sicherte und auf entsprechende Interventionen der VSE ein Angebot zur „Zu¬ sammenarbeit auf dem Gebiet der Elektrizitätsversorgung im Saarland“ machte. Zu¬ sätzlich bot das RWE bei einem Strombezug der VSE an, Strom zum gleichen Preis zu liefern, wie ihn das RWE von Saarberg erhalte170. Die VSE fühlte sich von diesem Vorgehen „düpiert“ und vermutete, daß sie unter Druck gesetzt werden sollte, um auf diesem Wege Einfluß auf sie auszuüben. In weiteren Gesprächen mit RWE-Vorstands¬ mitgliedern kristallisierte sich das Ziel des RWE, seine Interessensphäre auf das gesamte Saarland auszudehnen und einen Stromexport der VSE zu verhindern, deutlicher her¬ aus. Die VSE wertete die Verpflichtung des RWE zur Abnahme der gesamten freien Leistung der Saarberg-Kraftwerke als Verstoß gegen das Demarkationsabkommen zwischen Preußenelektra und RWE von 1926, da Saarberg nur dadurch in die Lage ver¬ setzt worden sei, von der VSE überhöhte Preise zu fordern. Indirekt betreibe das RWE durch sein Vorgehen energiewirtschaftliche Konkurrenz innerhalb des Saarlandes, die nach dem genannten Abkommen untersagt war. Diesen Vorwurf ließ das Essener Un¬ ternehmen nicht auf sich sitzen, sondern konterte, daß es nur die freie, nicht aber die von der VSE benötigte Saarberg-Leistung abnehme. Sollte sich die VSE zu einem Zu¬ sammengehen mit dem RWE entschließen, stünden ihr die gleichen günstigen Strom¬ bezugspreise wie dem RWE auf der Grundlage des Steag-Abkommens zu. Der RWE-Vorstand war offenkundig nicht an konkurrierenden Kraftwerkskapazitä¬ ten an der Saar interessiert. In diese Haltung paßt auch die strikte Ablehnung der ge¬ planten Erweiterung des Kraftwerkes Wehrden um 100 MW Ende der 50er Jahre171. Lediglich den Saarbergwerken — auf der Grundlage ihrer eigenen Kohlebasis — gestand das Essener Unternehmen zu, Kraftwerke im Saarland zu bauen oder zu erweitern. Die öffentlichen Energieversorgungsunternehmen, voran die VSE, sollten in eine betriebli¬ che Zusammenarbeit der saarländischen Elektrizitätsversorgung eingebettet werden, wobei sich dann das RWE zu einer ausreichenden Versorgung des gesamten Landes ver¬ pflichten wollte. Zu diesem Zweck sollten die Absatzgebiete der drei Energieversor¬ gungsunternehmen VSE, Kraftwerk Homburg und RWE-Merzig zusammengefaßt werden, „um durch eine Verbreiterung der Basis des kalkulatorischen Verbundes auf diese Art und Weise eine Einführung sowohl der allgemeinen Tarife als auch der Son¬ derabnehmerpreisregelungen des RWE entsprechend den Verhältnissen im Ruhrge¬ 169 RWE-AHV, Meysenburg, Helmut, Gestaltung der Elektrizitätswirtschaft des Saarlan¬ des (1957), unveröff. Ms., S. 8. 170 Ebd., S. 9f.: Der zwischen den Saargruben und dem RWE vereinbarte Strompreis entsprach demjenigen, den das RWE für die Stromlieferung der Grubenkraftwerke der Ruhr nach dem StEAG-Vertrag vom 06.05.1950 zahlte. Es handelte sich hierbei um einen Preis, der den Kosten entsprach, die dem RWE bei Bau und Betrieb eines hinsichtlich Lage, Größe, Erzeugung und Reserven seinen Netzverhältnissen angepaßten Steinkohle-Kondensations¬ kraftwerkes entstanden. 171 Unterredung zwischen Saarberg- und RWE-Vertretern vom 12.01.1959 in Essen (vgl. Pro¬ tokoll bei Saarbergwerke AG, Abt. Energiewirtschaft). 286