(Huthmacher) unterstützte nachdrücklich die berechtigten Interessen der öffentlichen Energieversorgungsunternehmen, deren Kraftwerkskapazitäten seit rund 10 Jahren stagnierten, zur Erhaltung eines wirtschaftlichen und betrieblich vertretbaren Verhält¬ nisses von Leistung im eigenen Kraftwerk und Bezug von der Regie den Bau eines öf¬ fentlichen Kraftwerkes voranzutreiben157. Hauptproblem blieb nach wie vor die Fi¬ nanzierung des auf rund 10 Mrd. Francs veranschlagten Projektes, als dessen bester Standort sich schon früh Ensdorf herausgestellt hatte (vgl. Kap. VI.3). Der Minister für Wirtschaft sah für das Saarland hier die Chance, durch eine Beteiligung des Staates an der Aufbringung der Bausumme zu „unmittelbarer Einflußnahme auf die Öffentliche Energieversorgung“ zu gelangen158. Obwohl mit der Abnahme von rund 500.000 Tonnen Kraftwerkskohle pro Jahr Arbeitsplätze im Saarbergbau gesichert werden konnten und die Ausweitung des Absatzes von Saarkohle ein Unternehmensziel von Saarberg war, erscheint es heute fast unverständlich, daß sich die Gruben Verwaltung anfänglich nicht bereit zeigte, für das geplante Kraftwerk Ensdorf die benötigte Koh¬ lenmenge zur Verfügung zu stellen159. Ungesicherte Finanzierung und Kohlebezüge sowie Konkurrenzdenken der Saarberg¬ werke auf dem Gebiet der Stromerzeugung veranlaßten die VSE bereits Ende des Jah¬ res 1953, Verhandlungen mit Energieversorgungsunternehmen der Bundesrepublik aufzunehmen, von denen ein starker Bedarf an elektrischer Arbeit und Leistung signa¬ lisiert worden war160. Nach einigen Gesprächen konnte für die Finanzierung ein Plan aufgestellt werden, der die Hälfte der Kosten des Projektes dem späteren Partner der VSE, die Energieversorgung Schwaben (EVS), Stuttgart, zuwies und durch Stromex¬ porte abgedeckt werden sollte161. Als Vorgabe für das neue Exportkraftwerk in Ens¬ dorf — in Konkurrenz zu den rasch wachsenden Kapazitäten in Lothringen162 und zum zeitlichen Vorsprung der Ruhrkohle in der Bundesrepublik — stand für alle Betei¬ ligten fest, daß das Kraftwerk so kostengünstig produzieren mußte, als ob es am Ver¬ brauchsort in Südwestdeutschland selbst gebaut würde und die dort geltenden Kohle¬ preise erhielte. Das Beispiel des Kraftwerkes Marbach am Neckar, das teilweise Saar¬ kohle verströmte, machte die notwendige Eile für den Bau in Ensdorf deutlich. Sobald die Kanalisierung des Neckars Marbach erreichte, drohte der kostengünstigere Trans¬ port von Kraftwerkskohle aus dem Ruhrgebiet die Saarkohle zu verdrängen163. „Kohleexport über Draht“ lautete die griffige Formel zur angestrebten Lösung dieses Problems. Im Gegensatz zum Bau von Grubenkraftwerken gelang es der VSE nicht, Marshallplangelder für Ensdorf zu erhalten. Die französischen Partner der ab 1954 als Saarbergwerke auf der Basis einer französisch-saarländischen Parität fortgeführten 157 LA Sbr. AA 558, 10.08.1952, Huthmacher an den Ministerpräsidenten. Vgl. ebf. Even (1958), S. 601f. 158 LA Sbr. StK G 586/54, 19.06.1954. 159 Das Saarland (1956), S. IV. 160 VSE-AHV, Aufsichtsratssitzung v. 25.04.1955; Verhandlungspartner waren zunächst EVS (Stuttgart), Pfalzwerke (Ludwigshafen), Badenwerk (Karlsruhe) sowie amerikanische Dienststellen, die vor der Wahl zwischen dem Bau eines eigenen Kraftwerkes im saar¬ pfälzischen Grenzraum oder Fremdstrombezug standen. 161 LA Sbr. MW 612, 14.01.1954. 162 Hellwig (1954), S. 97; Lauer (1956), S. 90; Haby (1968), S. 79; Barthel (1978), S. 145f. 163 LA Sbr. MW 612, 20.9.1954. 284