Zur Lösung dieses Problems schlug der Hohe Kommissar Grandval im Frühjahr 1952 die Bildung einer „Kommission für Stromversorgungsaufgaben an der Saar“ vor153. Diese trat ab dem 23. Juli 1952 regelmäßig zusammen und behandelte Fragen der Kohle Verwertung, der Errichtung von Kraftwerksleistung durch die Régie des Mines und die öffentliche Hand sowie allgemeine Fragen der Energieversorgung. Sie tagte unter dem Vorsitz des Ministerialdirigenten und späteren Wirtschaftsministers Huth- macher. Teilnehmer waren neben Vertretern des Wirtschaftsministeriums Mitglieder des Finanz- und Innenministeriums, der Mission Diplomatique, des RWE, der VSE, der EdF, des Kraftwerkes Homburg, der Stadtwerke Saarbrücken und der Régie des Mines. Die Protokolle dieser Kommission weisen deutlich nach, mit welchem Wider¬ stand die Vertreter der Régie des Mines sich allen Plänen der VSE widersetzten, ein ei¬ genes Kraftwerk an der Saar zu erbauen154. Nahezu eifersüchtig versuchte die Régie des Mines, eine möglichst weitreichende Monopolstellung der Stromerzeugung aus Saarkohle zu wahren. Zu diesem Zweck wurde hartnäckig jegliche Diskussion über die Gestehungspreise der Régie, die vor allem von der VSE mit Unterstützung des Kraft¬ werkes Homburg als zu hoch angesehen wurden, zurückgedrängt. Ferner stellte die Régie grundsätzlich die niedrigste Variante der Leistungsbedarfsprognose als gegeben hin, zu deren Deckung der Bau von St. Barbara sowie die Erweiterung von Fenne und Weiher ausgereicht hätte und die Abhängigkeit der öffentlichen Energieversorgungs¬ unternehmen vom Strombezug der Grube bestehen geblieben wäre. Grund zur Klage über die Geschäftspraktiken der Régie des Mines hatte auch die Be¬ triebsleitung des Kraftwerkes Wehrden. Ende der 40er Jahre waren auf Anraten der Grube Spezialkessel für Schlammverfeuerung eingebaut worden. Danach lieferte die Régie kaum noch Schlammkohle, weshalb zwei Kessel für Mittelprodukte neu zum Einsatz kamen. In der Folgezeit konnte die Régie angeblich wieder nur noch Schlamm¬ kohle liefern155. Ein weiteres Beispiel für die problematische Zusammenarbeit zwi¬ schen Grube und öffentlichen Energieversorgungsunternehmen war die völlige Ein¬ stellung von Brennstofflieferungen an Wehrden im Herbst 1951156. Die Saar- und Rhein-Kohlenhandelsgesellschaft AG, Saarbrücken, versuchte als Vertriebsgesell¬ schaft der hinter ihr stehenden Régie des Mines ständig, die früher üblichen Rabatte auf die normalen Listenpreise zu verringern. Als Preisverhandlungen, auch unter Ein¬ schaltung des Wirtschaftsministeriums, ohne Ergebnis blieben, stoppte Saar-Rhein kurzerhand die Lieferungen, so daß Wehrden Ende Oktober des Jahres seine Vorräte bis auf wenige Reste aufgebraucht hatte und vor der Stillegung stand. Nach zahlreichen Sitzungen beendete die Kommission für Stromversorgungsaufgaben ihre Arbeit Ende des Jahres 1953 und stellte abschließend den Bau eines 150 MW- Kraftwerkes durch die Saargruben und die Errichtung eines 200 MW-KraftWerkes durch die VSE zur Sicherung des steigenden saarländischen Energiebedarfs und zur Bereitstellung von Exportstrom als notwendig fest. Das Wirtschaftsministerium 153 LA Sbr. AA 527, 08.04.1952. 154 Ebd. MW 610, 02.10., 19.12.1952; dieser Widerstand ging bis an die Grenzen der Beleidi¬ gung, wie die Bemerkung „je m’en fous de la VSE“ es nachweist (Aufsichtsratssitzung v. 25.04.1955, VSE-AHV). 155 LA Sbr. MW 612, 11.09.1953. 156 VSE-AHV, Nachlaß Keßler, 31.10.1951. 283