1944 standen die alliierten Truppen in Lothringen, bald darauf in Saarlouis und im Saargau — schied die Mehrzahl der wichtigsten Abnehmer der VSE als Verbraucher aus: Dillinger Hütte, Mannesmann Röhrenwerke in Bous, Blechwalzwerk Hosten¬ bach, Haiberger Hütte sowie die Abnehmer im Kreis Saarlouis und im geräumten Teil des Landkreises Saarbrücken78. Die Abgabeleistung, die kurz vor der Räumung noch 55.000 kW betragen hatte, sank Anfang 1945 auf 6.000 kW. Trotz großer Schwierigkei¬ ten gelang der teilweise Abtransport des Hauptlagers Saarlouis sowie der Außenlager Siersburg, Scheidt und Bübingen, so daß das wichtigste Elektromaterial zur Aufbewah¬ rung per Eisenbahnwaggons in das vor Feindeinwirkung besser geschützte Kraftwerk Borken (bei Kassel) der Preußenelektra gebracht werden konnte. Nachdem am 19./20. Februar 1945 der Westwallabschnitt zwischen Saar und Mosel, der sogenannte Orscholz-Riegel, in sehr harten, für beide Seiten verlustreichen Kämp¬ fen durchbrochen war, wurde die deutsche Front von Nordwesten und Norden aus dem Raum Trier-Hermeskeil-Birkenfeld von amerikanischen Truppen aufgerollt79. Mitte März 1945 erfolgte die Räumung der Westwallanlagen bei Merzig, am 21. März verließen die letzten deutschen Truppen das Saarland und überquerten in Resten bei Germersheim und westlich von Karlsruhe den Rhein. Die nachrückenden amerikani¬ schen Truppen fanden das Land großenteils von der Zivilbevölkerung geräumt vor. Der Wohnraum war zu rund 60% vernichtet, die öffentlichen Gebäude zu etwa 40%, Fabriken zu 62%, Brücken zu 55% zerstört80. Besonders betroffen waren die Städte Saarbrücken und Saarlouis, wo 43 bzw. 41% der Gebäude völlig zerstört waren. Im Straßennetz trugen lediglich noch 30% für den Verkehr verwendungsfähige Decken. Eisenbahnanlagen und rollendes Material waren ebenfalls großenteils unbrauchbar. Von Zerstörungen des VSE-Netzes waren besonders die 110 kV- und 35 kV-Leitungen betroffen. Aber auch ein großer Teil der Ortsnetze konnte kaum mehr benutzt werden. Am 08. Mai 1945 ging der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands zu Ende. Auch für die Menschen an der Saar begann ein Neuanfang, ohne Krieg, aber mit erneuten Problemen in der Gestaltung des täglichen Lebens und in Sorge um eine ungewisse Zukunft. 78 Ab Herbst 1944 wurden die elektrostahlerzeugenden Unternehmen des Saarreviers durch Abschaltlisten zu drastischen Einschränkungen des Stromverbrauches bei Leistungsmangel im Elektrizitätswirtschaftsbezirk verpflichtet. Statt der erforderlichen 12,5 MW durften sie lediglich noch 1,6 MW aus dem öffentlichen Netz entnehmen (vgl. BA R 8 IV/12, 18.11. 1944). 79 Herrmann, Hans-Walter, Ein Vierteljahrhundert saarländische Geschichte, in: Saar¬ brücker Zeitung Nr. 105 v. 07./08.05.1970 (SZ-RA). 80 Das Saarland (1949), S. 14f. 234