18. September begonnen hatte, die Stadt. Sie nahm ihren Ausweichaufenthalt in Sulz¬ bach, wo die Hauptverwaltung, bestehend aus der kaufmännischen und technischen Leitung des Betriebes, zusammen mit dem notwendigen Personal in einer stillgelegten Gaststätte unter primitivsten Verhältnissen ihre Tätigkeit aufrechtzuerhalten suchte74. Das Betriebspersonal der VSE wurde in Anpassung an die militärische Ent¬ wicklung vor den Grenzen und innerhalb des Versorgungsgebietes Zug um Zug nach rückwärts verlagert und in Reparaturtrupps entsprechend den veränderten Betriebsan¬ forderungen aufgeteilt. Dadurch wurde eine erträgliche Versorgung der verbliebenen Restgebiete sowie der vorhandenen Wehrmachtsstellen erreicht. Die Kraftwerke Wehrden, Fenne und Luisenthal standen ab Dezember 1944 vorüber¬ gehend still, da die Front nur wenige Kilometer entfernt verlieP5. Auch die 110 kV- Verbindung mit dem RWE und den Westmarkwerken war hinfällig geworden, nach¬ dem ein im Grubenwerk Dechen stehender Transformator durch Luftangriffe zerstört worden war. Das Umspannwerk Geislautern mußte geräumt, die Betriebsstelle Saar¬ louis mit Hauptlager und staatlichem Prüfamt vom Personal verlassen werden, als ame¬ rikanische Truppenkontingente Anfang Dezember den Großraum Saarlouis besetz¬ ten. Die Strombelieferung erfolgte bis Ende 1944 provisorisch über ein Grubenkabel von den Kraftwerken Heinitz und Weiher, ehe eine rasch erstellte 35 kV-Schaltanlage im Umspannwerk Weiher wieder die direkte Einspeisung in das VSE-Netz ermöglich¬ te. Die noch nicht besetzten Teile des Kreises Saarlouis erhielten nach dem Ausfall von Geislautern und Saarlouis Strom über eine 35 kV-Leitung vom Kraftwerk Weiher über das Umspannwerk Jabach. In St. Ingbert erfolgte eine provisorische Kupplung mit den Pfalzwerken/Westmarkwerken, um in Notfällen maximal 4 MVA beziehen zu kön¬ nen. Durch diese Maßnahme wurde auch die Belieferung verschiedener Wasserwerke im Scheidter Tal sowie der Stadt Saarbrücken ermöglicht, die nach dem Ausfall des Kraftwerkes Wehrden ganz auf Strombezug von der VSE angewiesen war. Die Stadt Völklingen, bisher von Geislautern versorgt, erhielt Strom durch ein 10 kV-Kabel, das vom rückwärtigen Netz der Saargruben AG her durchgeschaltet wurde. Der zivile Stromverbrauch mußte auf Anordnung der Landeswirtschaftsämter um weitere 30% gesenkt werden, da das Verbundnetz völlig überlastet war und die Netzfrequenz teil¬ weise auf 46 Hz abgesenkt werden mußte76. Alle genannten Maßnahmen hatten zumeist nur vorübergehenden Charakter, bis gera¬ de erst instandgesetzte Leitungen und Anlagen durch Feindbeschuß oder Bombenab¬ würfe erneut ausfielen77. Durch näherrückende Kampfhandlungen — seit September 74 StadtA Sbr. Best. Brebach Nr. 784, 14.10.1944, 09.01.1945. 75 Nach der Wiederinbetriebnahme zu Beginn des Jahres 1945 mußten die Werke ihre Strom¬ erzeugung Mitte März endgültig einstellen, vgl. Winkler (1971), S. 7; das Kraftwerk Heinitz erlitt im Februar 1945 durch Luftangriffe erhebliche Beschädigungen (LA Sbr. Best. Bergamt Saarbrücken-Ost, Nr. 8, Angriff v. 16.02.1945). 76 BA R 3/1854a, p. 293, 309. 77 Seit Frühjahr 1944 hatte der Reichslastverteiler zur schnelleren Schadensermittlung und Wiederingangsetzung des Verbundbetriebes eine System aus nachgeordneten Reichs-, Bezirks- und Ortsluftschutzleitern angeordnet sowie Vorkehrungen zum Schutz vor Split¬ tern an Trafostationen und Generatoren durchführen lassen (BA R 8IV/14, Reichslastvertei¬ ler v. 25.03., 13.05., 16.06.1944, passim). Der sich verschärfende Luftkrieg mit Schleppbom¬ ben und ähnlichen Waffen vorzugsweise gegen Hochspannungsleitungen ließ diese Maßnah¬ men zusehend obsolet werden; vgl. B o 11 (1969), S. 98f.; Treue (1977), S. 148,157; German Electric Utilities Industry Report (1976), S. 38ff. 233