der Vorstand eine günstige Weiterentwicklung der VSE, „weil Maßnahmen, die in den letzten Jahren den Stromabsatz anderer Stromversorgungsunternehmen im Reich gün¬ stig beeinflußt hatten, nunmehr auch in unserem Versorgungsgebiet zur Durchfüh¬ rung gelangen“17. Diese vorsichtige Umschreibung verweist auf den großen Auf¬ schwung, den die Unternehmen der Saarindustrie nach 1940 durch Rüstungsaufträge erfahren sollten (vgl. Kapitel VI. 3.). 2. Die „Westmarkwerke“ als Versorgungsunternehmen für Saarland, Pfalz und Lothringen — Ende der VSE? Reichswirtschaftsminister und Generallbevollmächtigter für die Energiewirtschaft er¬ arbeiteten im Laufe des ersten Kriegsjahres einen „Plan zur Neuordnung der deutschen Energiewirtschaft“, da das Energiewirtschaftsgesetz „dem stürmischen Vorwärtsdrän¬ gen in Wirtschaft und Technik nicht in dem erforderlichen Maße gerecht“ wurde, „so daß die an dieses Gesetz geknüpften Erwartungen nicht erfüllt“ wurden18. Dieser Plan wurde mehrfach durch Ergänzungs- und Abänderungswünsche der beteiligten Reichs- und Parteistellen umgestaltet und mündete in eine Denkschrift vom 25.01.194119. Hier waren auch Hitlers energiewirtschaftliche Vorstellungen teilweise berücksichtigt. Der „Führer“ wünschte beispielsweise, „daß jedes Dorf, jede Gemein¬ de, sofern kleinste Wasserkräfte zur Verfügung stehen, diese auch selbst nutzbringend verwerte“20. Es kam ihm vor allem auf den Ausbau aller verfügbaren Energiequellen und „auf die Beseitigung eines zur Zeit vorherrschenden egoistischen und kapitalisti¬ schen Standpunktes der großen Elektrowerke“21 sowie „des . . . völlig unnationalso¬ zialistischen Kapitalismus“ an22. Um den Kompetenz- und Mitarbeitsstreitigkeiten bei der geplanten Neuordnung der Energiewirtschaft eine Ende zu setzen, schuf Hitler durch Führererlaß vom 29.07.1941 die Stelle eines „Generalinspektors für Wasser und Energie“ (GIWE), die er mit Fritz Todt besetzte23. Allen in jener Zeit vom Reichs¬ wirtschaftsministerium oder später vom Generalinspektor verfaßten Plänen zur Neu¬ ordnung gemeinsam war die Vorstellung einer Art „Reichsverbund-Dachgesell¬ schaft“, unterhalb derer Bezirksunternehmen für die Verteilung von Gas und Elektri¬ 17 VSE-AHV, Geschäftsbericht für 1940. 18 BAR 43 11/346, p. lllf. 19 Ebd., p. 155ff. 20 Ebd., p. 150, Bormann v. 02.11.1940; zu Hitlers Vorstellungen über die Elektrizitätswirt¬ schaft vgl. Picker (1976), S. 65f., 138, 270f., 461ff.; Picker irrt, wenn er Hitlers Bemer¬ kung „Das neue Fischersche Verfahren ist eine der genialsten Erfindungen, die je gemacht worden sind“ (ebd., S. 65) auf das Fischer-Tropsch-Verfahren bezieht (Anm. ebd.). Hitler spielte damit eindeutig auf die von Arno Fischer entwickelten Unterwasser kraft werke an, die „man bombensicher bauen kann“, wie Hitler direkt zuvor ausführte. Das Fischer- Tropsch-Verfahren gibt hier im Zusammenhang mit dem von Hitler abgehandelten Bau von Wasserkraftwerken keinen Sinn; zu Arno Fischers Konstruktionen vgl. Heide (1965), S. 89. 21 BA R 43 11/377, p. 40f. 22 Ebd., p, 75 Rs. 23 Führererlaß RGBl I, S. 467; zu den Streitigkeiten vgl. ausführlich BA R 43 11/377, 378, passim. 221