hältnisse der Stromversorgungsgesellschaften im Gebiet der Bezirksgruppe Saarland- Pfalz verdeutlicht, daß alle wichtigen Energieversorgungsunternehmen des Bezirkes sich zum überwiegenden Teil im Besitz öffentlicher Körperschaften befanden. Die Ka¬ pitalmehrheit der beiden größten unmittelbaren Versorger des Bezirkes, VSE und PW, lag weitgehend in den Händen der angeschlossenen Städte und Kreise. Auf der Stromer¬ zeugungsseite stand im Elektrizitätsbezirk einer Kapazität der öffentlichen und Gru¬ benkraftwerke von rund 244 MW auch im Jahre 1934 noch lediglich eine Auslastung von 136 MW gegenüber. Der größte Teil der installierten Leistung stand auf saarländi¬ schem Gebiet in der Nähe der Kohlegruben. Eine beachtliche Stütze der pfälzischen Stromversorgung war neben dem Kraftwerk Homburg der Strombezug aus dem Gro߬ kraftwerk Mannheim, an dem die Pfalzwerke finanziell beteiligt waren. Die geschilderte Lage der Saar-Pfälzischen Elektrizitätswirtschaft veranlasste Gauleiter Bürckel, VSE und Pfalzwerke zu beauftragen, Verhandlungen aufzunehmen zur Schaf¬ fung eines einheitlichen Energieversorgungsunternehmens durch Fusion der beiden Firmen53. Durch das neue größere Versorgungsunternehmen erhofften sich die von beiden Gesellschaften zur Vorbereitung der Fusion ernannten Kommissionsmitglie¬ der auch einen größeren Verhandlungsspielraum gegenüber der Saargrubenverwal- tung und dem RWE. Am 18.09.1935 beschlossen die Aufsichtsräte der beiden Unter¬ nehmungen die Aufnahme von Verhandlungen. Wenige Wochen später vereinbarten die Vorstände von VSE und Pfalzwerke, daß künftig keine Entscheidungen mehr ohne Absprache mit dem Partner der geplanten Interessengemeinschaft getroffen werden dürften, die eine Verschmelzung beeinträchtigen könnten. Am 06.11.1935/14.04.1936 erfolgte schließlich die Unterzeichnung eines Vertrages über die Bildung einer Interes¬ sengemeinschaft zwischen VSE, Pfalzwerke und Kraftwerk Homburg AG54. Der Zweck der Interessengemeinschaft sollte die Vereinheitlichung und Erzielung günstig¬ ster Stromversorgung im Gebiet Saar-Pfalz und die Erweiterung des Absatzes der Saar¬ kohle sein, wobei angestrebt war, das Gaugebiet ausschließlich mit aus Saarkohle er¬ zeugter Elektrizität zu versorgen. Jegliche Stromimporte, beispielsweise aus Baden, wie sie das Großkraftwerk Mannheim sofort anbot, sollten untersagt bleiben55. Fer¬ ner sollte geprüft werden, welche Möglichkeiten bestanden, um die dem Großkraft¬ werk Mannheim gegenüber bestehenden Verpflichtungen der Pfalzwerke dieser For¬ derung anzupassen, ohne daß letztere geschädigt würden. Darüberhinaus hatte die In¬ teressengemeinschaft folgende Aufgaben: 1. Kupplung der Netze der Vertragsteilnehmer zur gegenseitigen Aushilfslieferung zu noch näher zu vereinbarenden Bedingungen. 2. Allmähliche Angleichung der Stromlieferungsbedingungen an noch näher zu ver¬ einbarende einheitliche Richtlinien, die den beteiligten Gesellschaften wirtschaft¬ lich gerecht wurden. 53 VSE-AHV, Aufsichtsratssitzung v. 18.09.1935. 54 PW-AHV. 55 StadtA Sbr. BG 7217, 01.11.1935. Welche Bedeutung dem geplanten neuen Unternehmen bei den benachbarten EVU beigemessen wurden, verdeutlicht auch das folgende Angebot des Großkraftwerkes Mannheim. Es erklärte die Errichtung von Kraftwerkskapazitäten an der Saar für entbehrlich, da es in der Lage und bereit sei, zur Unterstützung der saarländi¬ schen Bergarbeiter Saarkohle zur Verstromung beizumischen und Strom in das Versor¬ gungsgebiet des neuen Unternehmens zu liefern (vgl. ebd.). 203