verstiegen, indem er ihm eines Tages gesagt habe, daß er in der bevorstehenden Nacht nach Paris fahren würde und es sehr bedauere, am anderen Morgen dem französischen Finanzminister erzählen zu müssen, „daß der Widerstand gegen den Übergang der Ak¬ tienmehrheit an die französisch-lothringische Gruppe nur noch bei dem Landrat des Kreises Saarbrücken beruhe“37. Die Rolle Tormins in den genannten Verhandlungen war in der Tat zwiespältig. Er hatte neben seiner Direktorenstelle bei der SVG weiterhin den Posten eines Beigeord¬ neten der Stadt Saarbrücken behalten und ganz offensichtlich seine Geschäftstätigkei¬ ten häufig vermischt. Auch der spätere Oberbürgermeister von Saarbrücken, Neikes38, verübelte ihm diese Verquickung seiner Ämter39. In den undurchsichtigen Tätigkeiten Tormins wurde letztlich der Keim gelegt für die späteren gegensätzlichen, teilweise unversöhnlichen Standpunkte der städtischen und „ländlichen“ Aktionäre der SLE40. Die Vertreter der Landgebiete fanden viele Jahre lang kein Vertrauen mehr in die Handlungen der Stadt Saarbrücken. Geprellt sah sich vom Vorgehen Tormins auch die französische Kapitalgruppe. Sie mutmaßte wohl nicht zu Unrecht, daß Tor- min bei seinen verschiedenen Transaktionen nicht unbeträchtliche Summen in die ei¬ gene Tasche gewirtschaftet hatte. Aufklären ließen sich diese Vorwürfe nicht mehr, unter anderem auch dadurch bedingt, daß Tormin, der nach einem Schlaganfall 1923/24 seinen Ruhestand in Freiburg verbrachte, sowohl städtische wie auch SVG/SLE-Akten dorthin mitgenommen hatte41. Die französische Gruppe — allen voran die Stadt Saargemünd — sah im Verhalten Tor¬ mins aber auch einen Vorwand, sich nur halbherzig um die Verhinderung der Enteig¬ nung der lothringischen SVG-Anlagen zu bemühen42. Im Juli 1922 erfolgte der Ver¬ kauf des lothringischen Netzes an die SALEC und an Saargemünd, wobei der Zu¬ schlagsbeschluß des Liquidators die Wiedereinbringung in die SLE ausdrücklich untersagte43. In der Gewinn- und Verlustrechnung von 1921 wurde die vollständige Tilgung des in der Bilanz für 1920 enthaltenen lothringischen Netzes vorgenom¬ men44. Den endgültigen Abschluß der Bemühungen um das lothringische Netz stellte eine Entschädigung in Höhe von gerade noch 16.000,- RM dar, die der Präsident des Reichsentschädigungsamtes in Berlin, das für die Kriegsschäden zuständig war, zu An¬ fang des Jahres 1930 der SLE zubilligte45. Größeren Ausschlag beim Kapitalübergang auf die französische Gruppe als die stark auf die städtischen Interessen Saarbrückens gerichteten Aktivitäten Tormins dürfte die Monopolstellung gegeben haben, die die französische Verwaltung der Saargruben hin- 37 ASV Sbr. GS-22, 10.10. 1926. 38 Zu Neikes vgl. Jacoby (1971), S. 497ff.; Klein (1971), S. 527f. 39 StadtA Sbr. BG 2630, verschiedene Schreiben v. Neikes 1923/24. 40 Mitte des Jahres 1922 übernahm der Landkreis Saarbrücken von der Bürgermeisterei Bisch¬ misheim 18 von 68 Aktien der SLE, so daß beide Aktionäre je 5% = 50 Aktien des Kapitals besaßen (VSE-AHV, o. HV v. 30.06.1922). 41 StadtA Sbr. BG 2630, 1923/24. 42 Ebd., 17.01.1921. 43 SZ-RA, Saarbrücker Zeitung v. 30.07.1922; die ehemals von der SVG versorgten Gemeinden schlossen neue Stromlieferungsverträge mit der SALEC ab (vgl. AD Moselle 10 S 109, Farrebersviller, Apach, Cocheren; ebd. 10 S 112 Remelfing, Sarreguemines). 44 VSE-AHV, Geschäftsbericht für 1921. 45 StadtA Sbr. Best. Bürgermeisterei Brebach Nr. 784, 19. u. 31.01. 1930. 115