sorgte41. Der Rückgang der Anlagenzugänge verdeutlicht andererseits die bescheidene Ausweitung der Versorgungsanlagen, die die SVG während der Kriegsjahre erreichte. Am 01.02.1918 traten neue Verträge mit der SVG und der Stadt Saarbrücken in Kraft, die dem Bergfiskus um rund 1,25 Pfennig höhere Erlöse pro kWh und 5 Mark mehr pro maximal abgegebenes Kilowatt einbrachten und eine Kohleklausel festschrieben. Wichtigstes Zugeständnis für die SVG war der Verzicht der Bergwerksdirektion auf die nach Kriegsende fällig werdende Konventionalstrafe, unter dem Strich aber gewann mit den neuen Verträgen eindeutig der preußische Bergfiskus42. Auch die Überlandzentrale La Houve in Creutzwald, inzwischen von der Deutschen Armee verwaltet und im Rahmen der Germanisierungsbestrebungen seit April 1915 „Huf“ genannt43, erhöhte ihre Stromlieferungspreise44. Die SVG entschloß sich des¬ halb ebenfalls zu Preiserhöhungen45, konnte diese aber nicht in erhofftem Umfang durchsetzen46. Im Kraftwerk Creutzwald der La Houve war am 8.8.1916 ein Turbo¬ generator verbrannt, weshalb die dringend notwendige Revision eines weiteren Aggre¬ gats zurückgestellt werden mußte. Dies führte bei diesem zweiten Stromlieferanten der SVG immer wieder zu Einschränkungen, so daß nach einer Klage des Kriegsrohstoff¬ amtes über den unzulänglichen Betrieb das Kraftwerk unter militärische Verwaltung gestellt wurde47. Vom Kriegsgeschehen wurde das Saarland — abgesehen von alliierten Luftangriffen auf Ziele im Industrierevier seit Sommer 1915 — im Ersten Weltkrieg nicht beeinträch¬ tigt48. Die Begeisterung zu Anfang des Krieges und die Hoffnung auf einen baldigen Sieg waren jedoch zerronnen und später in ungewisse Erwartungen über die Folgen des verlorenen Krieges und den Versailler Frieden umgeschlagen. Vor allem die Ernäh¬ rungsprobleme im dichter bevölkerten Industriegebiet waren hier größer und führten gegen Ende des Krieges zu ausgedehntem „Schleichhandel“ zwischen Städtern und Landbevölkerung49. Streikbewegungen wie beispielsweise auf der Dillinger Hütte wurden vom Regierungspräsidenten in Trier deutlich heruntergespielt, kündigten je¬ doch, auch wenn sie in ihrer Intensität nie das Ausmaß anderer Industriestädte erreich- 41 Seit dem Frühjahr 1915 waren nicht nur die gesamte Eisenindustrie, sondern auch Glashüt¬ ten, keramische Werkstätten und das Kleingewerbe ganz auf die Produktion für den Heeres¬ bedarf umgestellt worden; in der Saarindustrie arbeiteten im Jahr 1916 nach Einschätzung des Regierungspräsidenten beispielsweise 2/3 zusätzliche Arbeiter gegenüber den Frieden¬ zeiten (LHA Koblenz 403/9052, p. 807). 42 LA Sbr. 564/1747, S. 239f. 43 Das Kraftwerk La Houve wurde am 19./20.07.1917 von der Etappen-Inspektion der Armee, Abt. C, requiriert, LA Sbr. 564/1742, S. 65ff.; Roth (1976), S. 612, nennt den Oktober 1917. 44 LA Sbr. Dep. Sulzbach Fach 36, Nr. 2, Bürgermeister von Saargemünd v. 09.11.1917. 45 VSE-AHV, Geschäftsbericht für 1917. 46 Ebd., für 1918; auch die Gemeinden im Versorgungsgebiet der Pfalzwerke blieben von Strompreiserhöhungen um rund 25% (1917), so z.B. die Gemeinde Wörschweiler, nicht ver¬ schont; vgl. LA Sbr. Best. Landratsamt St. Ingbert Nr. 5856, 09.07.1917. 47 Vgl. AD Moselle 15 AL 638-11, „Huf, Aktiengesellschaft für Bergbau und Elektrizität“, 08.12.1916. Ebd., Kriegsrohstoffabteilung, Berlin 06.06.1917. 48 Häber le (1916), S. 26ff.; vgl. ebf. LHA Koblenz 403/9053, Immediatberichte zum 01.05. und 01.11.1917, p. 4, 18, 32. 49 LHA Koblenz 403/9052, p. 796; Pfalz, Lothringen und Luxemburg hatten seit 1915 ihre Grenzen für die Ausfuhr von Nahrungsmitteln geschlossen (ebd., p. 799); vgl. ebd. 403/9053, p. 10, 13. 106