ihren gesamten Betrieb im Jahre 1915 auf Elektrizität um34. Auch die Zusammenfas¬ sung der sieben wichtigsten Fensterglashütten an der Saar zur „Vereinigten Vopelius- schen und Wentzelschen Glashütte mbH“ an einer Betriebsstätte in St. Ingbert erfolgte 1914-18 unter weitreichendem Vorrang des Einsatzes elektrischer Energie35. Ebenfalls unter Kriegsbedingungen erreichte die „Rümelinger und St. Ingberter Hochöfen- und Stahlwerke AG“, St. Ingbert, die langersehnte Bauerlaubnis für die Stromleitung Frey- ming (Lothringen)-St. Ingbert zur Versorgung durch die Saar-Mosel-Bergwerksgesell- schaft Karlingen36. Die vor dem Krieg von der preußischen Bergwerksdirektion Saar¬ brücken vehement bekämpfte Leitung (vgl. Kap. II.2.) wurde genehmigt, da das ganz auf Kriegsproduktion umgestellte Werk St. Ingbert eine mangelhafte Kraftversorgung aufwies. Das Kriegsende vereitelte schließlich die Durchführung des Vorhabens. In den Betrieben der Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke führte der verstärkte Einsatz elek¬ trischer Energie zu Engpässen in der Versorgung mit Elektromotoren, so daß aus dem besetzten Industriegebiet Nordfrankreichs entsprechende Maschinen requiriert und in den lothringischen und saarländischen Werken des Unternehmens installiert wurden37. Unter den Rahmenbedingungen der Energieknappheit während des Krieges sind auch die Projekte zu werten, um die sich die unter der Führung der Stadt Trier 1917 ins Leben gerufene „Kraftversorgung südliche Rheinprovinz“ bemühte38. Die Wasser¬ kraft der Regierungsbezirke Koblenz und Trier sollte von dieser Vereinigung öffentli¬ cher Körperschaften durch den Ausbau von Kraftwerken genutzt und die Verbindung der einzelnen Elektrizitätswerke mittels einer 100 kV-Leitung untereinander herge¬ stellt werden. Aufgrund verschiedener, aus der Vorkriegszeit herrührender Differen¬ zen blieb der an sich sinnvolle Verbund mit der preußischen Bergwerksdirektion in Saarbrücken ausgeschaltet39. Gegen Ende des Jahres 1917 lastete das Problem steigender Verluste der durch langjäh¬ rige Verträge gebundenen Elektrizitätswerke auf der gesamten deutschen Elektrizitäts¬ wirtschaft so stark, daß schließlich das Kriegsamt in Berlin in einer öffentlichen Erklä¬ rung es als erwünscht und gerechtfertigt ansah, den Elektrizitätswerken trotz bestehen¬ der Verträge höhere Preise zu bezahlen40. Die SVG war von dieser Entwicklung weniger betroffen (vgl. Tab. 15); die Ursache hierfür lag im steigenden Absatz an ganz auf Kriegsproduktion umgestellte Industriebetriebe, die das Unternehmen ver- 34 Mühle L. Braun (Handel und Industrie, 1924, S. 177f.). 35 Ebd., S. 294ff. 36 AD Moselle 15 AL 639, Metz 20.07.1918. 37 50 Jahre Röchling (1931), S. 31. 38 LA Sbr. Best. Landratsamt Merzig Nr. 69, 21.07.1917: Beteiligt waren die Städte Trier, Bin¬ gen und Kreuznach, die Landkreise Saarlouis und Neuwied sowie die Elektrizitätswerke des Kreises Mayen (Rauschermühle) und des Fürstentums Birkenfeld (Idar-Oberstein). 39 Unter anderem sollte die Versorgung der Landkreise St. Wendel und Ottweiler von Idar- Oberstein und nicht von den Kraftwerken der Bergwerksdirektion aus erfolgen. 40 LA Sbr. 564/1747, S. 237. Um eine ausreichende Elektrizitätsversorgung Deutschlands ent¬ sprechend dem steigenden Bedarf zu gewährleisten, wurde im Frühjahr 1917 als organisatori¬ sche Maßnahme bei der Kriegsrohstoffabteilung eine Sektion Elektrizität (KRA El) und im Zusammenhang damit die Elektrizitätswirtschaftsstelle (EWs) gegründet, vgl. ETZ 38 (1917), S. 129. 105