ner Forderung Nachdruck zu verleihen, präsentierte der Bergfiskus im Juli 1915 fol¬ gende Rechnung: Am 30.06.1915 statt 3.000 nur 568 neue Abnehmer (353 Gemeinde Ludweiler, 215 Gemeinde Lauterbach), ergibt 2.432 fehlende Abnehmer je 10 Mark = 24.320 Mark Strafgeld!8 Hinweise des SVG-Vorstandes auf die diesem Vertrag zugrun¬ deliegenden Friedensbedingungen fruchteten nichts. Erst mehrmalige Verhandlungen mit der Bergwerksdirektion, in die sich schließlich auch Saarbrückens Oberbürgermei¬ ster Mangold einschaltete, brachten einen Aufschub. Der Termin „30. Juli 1915“ und die darauf beruhenden Nachfolgetermine wurden durch die Formulierung „ein Jahr nach Aufhebung des Kriegszustandes in der Rheinprovinz“ ersetzt9. Die Direktion der bergfiskalischen Kraft- und Wasserwerke ging allerdings noch einen Schritt weiter, der leicht das Ende der SVG hätte bringen können. In einem Vorstoß bei der Bergwerksdirektion am 15. Januar 1917 ersuchte sie die Vorgesetzte Behörde10, den Vertrag mit der SVG von 1913 aufzukündigen, was letztlich den Verlust des Strom¬ verteilungsrechtes in den Landkreisen Merzig, Saarlouis, Saarbrücken, Ottweiler und Teilen der Pfalz, also den Entzug der wirtschaftlichen Grundlage gebracht hätte. Zur Begründung führte sie aus, daß die Bergwerksdirektion „damals den Versprechungen glaubte, daß die S.V.G. eine große Tätigkeit entfalten und in verhältnismäßig kurzer Zeit das ganze Gebiet elektrisiert11 haben würde. Die Hoffnung wurde enttäuscht. Es kann dahin gestellt bleiben, ob der Fehlschlag auf Personalverhältnisse oder auf die Zeitläufe zurückzuführen ist. .. und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie (SVG) später selbst bei gutem Willen nicht mehr in der Lage sein werde, den Stromabsatz so durch¬ zuführen, wie wir es annähernd dürften“12. Als vordringliche eigene Aufgabe sah es die Verwaltung der bergfiskalischen Kraft- und Wasserwerke an, in Zeiten vorherrschender Kohlen-, Benzin- und Petroleumknapp¬ heit und einer gesteigerten Nachfrage nach elektrischer Energie das eigene Absatzge¬ biet möglichst auszudehnen und einer Ausweitung der Versorgungsgebiete benachbar¬ ter Werke entgegenzutreten. Aus diesem Grund war sie bereits in direkte Verhandlun¬ gen über eine unmittelbare Belieferung des Kreises St. Wendel eingetreten. Die vorgesehene Übernahme sämtlicher Stromlieferungsverträge von der SVG durch die Bergwerksdirektion bei Kündigung des Vertrages von 1913 scheiterte schließlich einer¬ seits an der Auffassung, daß aus rechtlichen Gründen keine Möglichkeit zum soforti¬ gen Ausstieg aus dem Vertrag möglich war; zum anderen schoben sich mit fortwähren¬ der Kriegsdauer neue Probleme in den Vordergrund, so etwa die wichtige Frage einer Erhöhung der Strompreise. Vor dem Krieg enthielt kein einziger Stromlieferungsver¬ trag eine Kohleklausel, da angenommen wurde, daß innerhalb der Vertragszeit — auch wenn diese 10 bis 20 Jahre dauerte — „sicher die Gestehungskosten der Kohlen inner¬ halb der Grenzen bleiben würden, die den Stromverkauf zu den Bedingungen der ge¬ nannten Verträge noch lohnend machen“ würde13. Der Krieg hatte diese Vorausset- 8 Ebd., S. 172ff. 9 Ebd., S. 120ff., 138ff„ 143, 145f. 10 Ebd., S. 215ff. 11 Zeitgenössische Bezeichnung für „elektrifiziert“. 12 LA Sbr. 564/1747, S. 215f. 13 Ebd., S. 237. 100