II. Die Entstehung des ersten regionalen Elektrizitätsversorgungsunternehmens an der Saar 1. Gründung der Elektricitäts- und Gas-Vertriebsgesellschaft Saarbrücken Actien-Gesellschaft (SVG) und Entwicklung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges Trotz der dargelegten schwierigen Vorbedingungen (vgl. Kap. 1.4.e) gelang es noch vor dem Ersten Weltkrieg, ein regionales Elektrizitätsversorgungsunternehmen an der Saar ins Leben zu rufen. Am Mittwoch, dem 20. Juni 1912, versammelten sich im Rat¬ haus des Stadtteils St. Johann von Saarbrücken die Vertreter von Gemeinden, Privatun¬ ternehmen und einer Bank, um ihre Unterschrift zur Gründung der „Elektricitäts- und Gas-Vertriebsgesellschaft Saarbrücken Actien-Gesellschaft“ zu leisten, als deren Auf¬ gaben und Ziele in § 2 der Satzung vereinbart worden war: a) Der kaufmännische Vertrieb von elektrischer Energie und von Leucht- und Kraft¬ gas in der näheren und weiteren Umgebung von Saarbrücken. b) Der Erwerb, Betrieb und die Finanzierung von Unternehmungen im Gebiete der angewandten Elektrotechnik und der Gasversorgung, insbesondere der Beleuch¬ tung, Kraftübertragung und des Transportwesens. Die Gesellschaft ist zu diesem Zweck befugt, Konzessionen zur gewerblichen Ausnutzung von Elektrizität und Gas zu erwerben, sich bei staatlichen, kommunalen oder privaten Unternehmun¬ gen mit ähnlichen Zwecken zu beteiligen oder solche zu begründen, zu bauen, zu übernehmen, zu pachten oder zu finanzieren, ihnen Vorschüsse oder Darlehen zu bewilligen, Aktien, Obligationen oder sonstige derartige Unternehmungen, wie auch Forderungen derselben aus ihrem Geschäftsbetrieb gegen Dritte zu erwerben, zu beleihen, zu veräußern oder sonst zu verwerten1. Fast ein Jahr war vergangen, ehe es nach einem gescheiterten Versuch nunmehr gelang, eine regionale Elektrizitätsversorgungsgesellschaft aus der Taufe zu heben (vgl. Kap. H.2.). Pate standen hierbei die Stadt Saarbrücken mit 49 % Beteiligung am Grundkapi¬ tal von 1 Mio Mark und die Bürgermeisterei Bischmisheim (später Brebach) mit 10 % als kommunale Aktionäre, die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft, Berlin (AEG), mit 31 %, die Berlin-Anhaltische-Maschinenfabrik AG mit 3 % sowie das Saarbrücker Bankhaus G.F. Grohe-Henrich & Cie.2 mit 7 % als private Teilhaber (vgl. Abb. 1, Tab. 6-9). Die Aktien letzterer waren offensichtlich bei der erwähnten Bank für den Landkreis Saarbrücken vorübergehend „geparkt“ worden. Am 25.06.1912 schrieb der Saarbrücker Oberbürgermeister Mangold an den Vorsitzenden der Königlichen Berg¬ werksdirektion, den Geheimen Oberbergrat Fuchs: „Trotz mehrfacher und langwieri¬ ger Verhandlungen über die Beteiligung des Landkreises an der inzwischen gegründe- 1 VSE-AHV, § 2 der Satzung, ebf. StadtA Sbr. BG 7156. 2 Grohe-Henrich hatte 1887 das Saarbrücker Bankhaus B. Schlachter übernommen und sich, ausgehend vom Stammhaus in Neustadt a.d.H., zu einer bedeutenden Privatbank in Süd¬ westdeutschland entwickelt, an der als Kommanditisten u.a. die Rheinische Creditbank Mannheim und die Gebr. Stumm-Bank GmbH, Neunkirchen, beteiligt waren, vgl. Handel und Industrie (1924), S. 133. 80