16kerzige Lampe, die anfangs die Norm war, verbrauchte für 3,5 Pfg. Strom pro Brenn¬ stunde. Für zeitgenössische Verhältnisse bedeutete dies eine beträchtliche Summe, bei¬ spielsweise wenn man sich vor Augen hält, daß der Durchschnittslohn aller Grubenar¬ beiter im Jahre 1895 etwa 40 Reichspfennig pro Stunde ausmachte163. Reichte der Stundenlohn damals bei einer 16kerzigen Birne (ca. 50 Watt) für knapp zwölf Stunden elektrische Beleuchtung, so könnte heutzutage ein Bergarbeiter eine vergleichbare Glühbirne für seinen Stundenlohn rund 1.800 Stunden lang brennen lassen164. Der Anschaffungspreis von Elektromotoren lag für den kleinsten mit 1/30 PS bei 150,- Mark, der stärkste, 10 PS leistende Motor kostete 2.000,- Mark. In der lokalen Presse wurden die Vorteile der neuen Beleuchtung unter zeitgenössisch geprägten Gesichtspunkten voller Stolz herausgestellt: „Am Freitagabend erstrahlte zum ersten Male der Neufangsche Saal in elektrischem Licht. Der Saal war taghell er¬ leuchtet, das Licht ruhig und angenehm, was auf eine gute Installation sowohl der elek¬ trischen Centrale wie auch der komplizierten Arbeiten im Saale und auf der Bühne schließen läßt. Es muß noch bemerkt werden, daß die Fortlassung der Bogenlampen und deren Ersatz durch eine entsprechende Anzahl von Glühlampen sich als sehr vor¬ teilhaft für den Gesamteindruck bewährt hat. Das Licht der Glühlampen ist ohne Zweifel dem Auge angenehmer, weniger Schwankungen ausgesetzt und kam bei der Neufangschen Anlage besonders durch geschickte Ausnutzung der schon vorhande¬ nen Kronleuchter schön zur Geltung . . ,“165. Im Jahre 1906 war der Lichtstrompreis des EW St. Johann auf 60 Pfg./kWh, der Kraft¬ strompreis auf 25 Pfg. gestiegen. Die elektrische Beleuchtung kostete damit fast doppelt so viel wie das Gaslicht, obwohl technische Verbesserungen wie Nernstlampen und später Osmium-, Tantal- und vor allem Wolframlampen eine deutliche Reduzierung des Stromverbrauchs brachten166. Trotz rasch steigender Anschlußwerte waren die Überschüsse des Werkes inzwischen auf 14.000 Mark im Jahr gesunken. Die „Südwest¬ deutsche Wirtschaftszeitung“ empfahl den zwei Saarstädten Saarbrücken und St. Johann als Ausweg, ihre teure Eigenerzeugung einzustellen und stattdessen — zusam¬ men mit Malstatt-Burbach, wo noch kein Elektrizitätswerk bestand — „als neues Bin¬ demittel für die Saarstädte“ den gemeinsamen Strombezug zu günstigeren Konditio¬ nen von den neuen Kraftwerken der Bergwerksdirektion167. Rivalitäten der Städte untereinander, aber auch schwierige Verhandlungen mit dem Bergfiskus, führten erst Anfang des Jahres 1908 zu einem Vertragsabschluß168. Über¬ gabestation war das Hafenamt Malstatt, von wo Hochspannungskabel zu den beiden alten Kraftwerken gelegt wurden und über Gleichrichter der gelieferte Drehstrom in Gleichstrom umgewandelt wurde. Maistatt-Burbach konnte dagegen sofort zur Dreh¬ stromversorgung übergehen, da noch keine elektrischen Anlagen existierten. Die bei- 163 Eichhorst (1901), S. 27f. 164 Angenommen wurden DM 22,- Schichtarbeiterlohn eines Bergmannes pro Stunde und ein Strompreis von DM 0,20/kWh. 165 SZ-RA, Saarbrücker Zeitung v. 18.10.1896; zur weitverbreiteten Identifizierung von Elek¬ trizität mit elektrischem Licht vgl. Arnold (1986), S. 33ff. 166 Vgl. EKB 11 (1913),S. 184f., 392f., 609ff., 70lf., ebd. 12 (1914), S. 271; Ko 11 mann (1912), S. 273ff.; Gross (1933), S. 72ff.; Lindner (1985), S. 21 lff. 167 Südwestdeutsche Wirtschaftszeitung 11 (1906), S. 280 (Bibliothek der IHK Saarbrücken). 168 LA Sbr. 564/626, S. 236ff. vom 30.01.1908. 59