Auch im nichtproduktiven Bereich fand die elektrische Energie immer häufiger Ver¬ wendung. Die Bergwerksdirektion Saarbrücken berichtete jährlich über ihre Versuche und Verbesserungen45, die im Laufe eines Etatjahres auf den Gruben über und unter Tage durchgeführt worden waren. 1907 stand an vorderer Stelle ein Bericht über eine „electrische Putztücher-Waschmaschine“46: Pro Tag fielen zum Reinigen von Ma¬ schinen und anderen Geräten etwa 600, zumeist stark verölte Putztücher an, die bislang nach auswärts zur Wäsche gegeben wurden. Versuche mit einer elektrischen Waschma¬ schine, deren Wasser mit vorhandenem Abdampf erwärmt wurde, ergaben, daß bei einem Anschaffungspreis von 3.500.- Mark eine Ersparnis von 2.142.- Mark pro Jahr zu erwarten stand und zudem 6 Kg Ol pro 9-Stundenschicht wiedergewonnen werden konnten — ein frühes Beispiel für Recycling und Umweltschutz durch den Einsatz mo¬ derner Technologie! Eine Aufstellung aus dem Jahre 1905 wies für die zwölf Berginspektionen der Berg¬ werksdirektion Saarbrücken insgesamt 34 Generatoren auf47 (vgl. Tab. l.a u. b), die überwiegend von Dampfmaschinen, auf den Gruben Burbachstollen und Heinitz auch von Gasmaschinen angetrieben wurden. 20 dieser Generatoren erzeugten Drehstrom, der Rest Gleichstrom. Die Primärspannung lag bei 110, 220,330, 440, 500,1000,2000, 2100, 2200, 5200 und 5300 Volt. Eine solche Vielzahl von Systemen und Spannungen warf immer größere Schwierigkeiten auf, als sich die Wünsche der einzelnen Bergin¬ spektionen nach weitergehender Elektrifizierung häuften. Entweder reichten die Er¬ zeugungskapazitäten nicht aus oder ein Austausch zwischen den einzelnen Gruben scheiterte an mangelnder Kompatibilität der Systeme und Spannungen48. Zudem er- rechnete die Bergwerksdirektion für die Erzeugung von 1 kWh an der Schiene Beträge zwischen 0,39 und 15 Pfennig an den einzelnen Standorten49. Die hohen Beträge ent¬ standen vor allem dort, wo im Laufe der Zeit an einer ursprünglich nur zu Beleuch¬ tungszwecken eingerichteten Anlage nach und nach Erweiterungen für den steigenden Kraftbedarf hinzutraten und sich dadurch die Unwirtschaftlichkeit vieler kleiner Er¬ zeuger gegenüber einem großen Generator immer deutlicher bemerkbar machte. 45 Versuche und Verbesserungen beim Bergwerksbetriebe in Preußen während des Jahres . . ., in: ZBHS Jg_; vgl. allg.: Übersicht über die Verwaltung der fiskalischen Bergwerke, Hüt¬ ten und Salinen im Preußischen Staate während des Etatjahres . . . (bzw. Nachrichten von der Verwaltung der preußischen Staats-, Berg-, Hütten- und Salzwerke während des Etat¬ jahres ...), 1878/79-1908/09, in: Verhandlungen des Hauses der Abgeordneten, Sammlung sämtlicher Druckschriften des Hauses der Abgeordneten, Jgg. 1879-1911. 46 LA Sbr. 564/445, S. 97. 47 Vgl. Tab. la u. b im Anhang, Mell in (1906), S. 330ff. 48 Die Berichte zur Entwicklung der einzelnen Gruben von den Anfängen bis zur Übergabe unter französische Verwaltung zu Beginn des Jahres 1920 verzeichnen vor allem für die Zeit ab etwa 1902/03 jährlich neue Einsatzbereiche elektrisch betriebener Maschinen; vgl. für Grube König LA Sbr. 564/13, Grube Maybach ebd. 564/139, v.d. Heydt ebd. OBA Nr. 51 und 564/140, Grube Sulzbach und Altenwald ebd. 564/141, Grube Göttelborn ebd. 564/143, Grube Gerhard und Friedrichsthal ebd. 564/142, Grube Reden und Itzenplitz ebd. 564/145, Grube Camphausen und Grube Kreuzgräben-Brefeld ebd. 564/146, Grube Hei¬ nitz, wo der spätere Direktor der Kraft- und Wasserwerke, Mengelberg, ab 1899 wirkte, ebd. 564/147, GruDe Velsen ebd. 564/148; zur quantitativen Entwicklung vgl. Grube König: 1896 2 Elektromotoren mit 40 PS, 1919 67 E-Motoren mit 5378 PS, ebd. 564/137, S. 300. Vgl. auch die laufenden Berichte über neue Anwendungsbereiche der elektrischen Energie in verschie¬ denen Zeitschriften: BMF Nr. 119u. 121,1900,ebd.,Nr.48-51,1902,ZBHS51 (1903),S. 264, ebd., 53 (1905), S. 134f, Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen 1906, S. 470. 49 Mellin (1906), S. 331, 333. 30