stitionskosten des Rohrnetzes. Oft wurden sie nur mit Hilfe größerer Subventionen aus kommunalpolitischen Erwägungen aufgebracht. Eine Welle der Kommunalisie¬ rung hatte noch vor 1900 zahlreiche, zunächst auf privater Basis gegründete Gaswerke erfaßt. Die Anwendung von Gas beschränkte sich in den ersten Jahrzehnten auf den Beleuchtungssektor. Die Gaswerke warben zwar für den Einsatz auch zum Kochen, doch die Wärmeerzeugung blieb eine Domäne der Kohle, da ein Großteil der Bevölke¬ rung aus Bergleuten und deren Angehörigen bestand, die auf billige Deputatbestände zurückgreifen konnten. Dampf und Gas zur Krafterzeugung, Kohle zur Wärmegewinnung, Petroleum und Gas für Beleuchtungszwecke — der Bedarf an Energieträgern schien auch im Saarrevier gedeckt. Doch die Zeit war längst reif, „die Grundsätze von Volta, Oersted, Ampere, Ohm und Faraday sowie die Kenntnisse elektrotechnischer Vorgänge praktisch auszu¬ nutzen“6. Im Jahre 1848 erhellte die erste Kohlelichtbogenlampe die Oper von Paris, 1866/67 gelang die bahnbrechende Erfindung der Dynamomaschine durch Werner Siemens (und andere), bei der „mit Hilfe des remanenten Magnetismus eine gegenseiti¬ ge Verstärkung von Ankerstrom und Magnetfeld erzielt“ wurde7. Die Dynamoma¬ schine, als Motor und Generator gleichermaßen zu verwenden, leitete schließlich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts den durchschlagenden Erfolg der Starkstromtech¬ nik ein, die ihre erste große Bewährungsprobe auf dem Feld der Beleuchtung in Kon¬ kurrenz zum Gas zu bestehen hatte8, nachdem die Schwachstromtechnik im Nach¬ richtenwesen im zweiten Drittel des vergangenen Jahrhunderts herkömmliche Tech¬ niken verdrängt hatte9. Werner von Siemens hatte bei der Beschreibung des dynamoelektrischen Prinzips für die Königlich Preußische Akademie der Wissen¬ schaften zu Berlin vorausschauend erklärt, daß nun „der Technik der Gegenwart die Mittel gegeben sind, elektrischen Strom von unbegrenzter Stärke auf billige und beque¬ me Weise überall da zu erzeugen, wo Arbeitskraft disponibel ist“10 11. Erstaunlicherwei¬ se sah von Siemens zunächst Erfolge seiner Erfindung eher auf dem Gebiet der Krafter¬ zeugung als der Beleuchtung. Noch 1880 schrieb er, „ich möchte hierbei aber doch be¬ merken, daß ... das elektrische Licht schwerlich jemals das Gaslicht wird verdrängen können .. .“u. Ein Jahr zuvor jedoch hatte Thomas A. Edison die von ihm entwickel¬ te Kohlenfadenlampe herausgebracht, die im Gegensatz zur Erfindung von Goebel nicht nur eine höhere Lichtstärke und Brenndauer aufwies, sondern vor allem auch ra¬ tionell produziert werden konnte12. 6 W i s s e 11 (1967), S. 7; zu Einzelheiten der technischen Entwicklung vgl. Gross (1936), S. 126ff.; Mahr (1941), S. 50ff. 7 Wissel (1967), S. 7; allgemein vgl.: Dettmar (1940); D i bner (1967), S. 437ff.; Fried¬ rich (1943); Lindner (1985); Miller, O. (1927); Miller, R. (1941), S. 26ff.; Ri߬ müller (1942), S. 26ff.; Staab (1972), S. 32ff.; Wilke (1907); Wißner (1966), S. 39lff. 8 Braun (1980), S. lff. 9 Grundlegend und umfassend: Wessel (1983); vgl. ebenfalls Asch off (1966), S. 402ff.; Oberliesen (1982). 10 Monatsberichte der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1868, abgedruckt bei Lindner (1985), S. 131. 11 In: ETZ 1 (1880), S. 21. Zur Betrachtung der Geschichte der künstlichen Beleuchtung unter eher anthropologischen Gesichtspunkten vgl. Schivelbusch (1983), S. 51ff. 12 Wissel (1967), S. 7. 23