Neben dem Standortfaktor Kohle spielte abseits des eigentlichen Reviers an den Was¬ serläufen der oberen Saar3, der Blies und Prims mit ihren Nebenbächen die natürliche Energiequelle Wasserkraft als Antrieb von Mahlsteinen, Schmiedehämmern, Walk- und Lohmühlen jahrhundertelang die Hauptrolle. Zahlreiche Wassertriebwerke nutz¬ ten die aus den umliegenden Bergen kommende Wasserkraft zur Verarbeitung von Ge¬ treide, Herstellung von Papier, zum Antrieb der Blasebälge für Schmiedefeuer und viele andere Zwecke aus. Gegenüber dem steigenden Produktionstempo des Industrie¬ zeitalters und der durch die rasche Bevölkerungsvermehrung wachsenden Nachfrage aber waren diesen Arbeitsmaschinen auch natürliche Grenzen gesetzt: Das Wasserdar- gebot schwankte je nach Jahreszeit und war kaum vorherzuberechnen. Auch künstli¬ che Hilfsmittel wie Stauweiher konnten nur kurzfristige Verbesserungen zu einer überlebten Technik leisten. Zusätzlich trugen Auswirkungen einer ersten industriell bedingten Wasserverschmutzung, die mit steigender Kohleförderung zunehmende Verschlammung der Gewässer dazu bei, daß die reviernahen Mühlen Zug um Zug ihren Betrieb entweder aufgaben oder aber den Antrieb auf die witterungsunabhängige Dampfmaschine umstellten. Gefragt war im Zeitalter der Industrialisierung nicht mehr der sporadische, bei Bedarf anfallende Einsatz etwa zum Getreidemahlen, son¬ dern eine kontinuierliche Produktion für steigende Nachfrage. Einigen wenigen Müh¬ len sollte es allerdings, wie wir später noch sehen werden, vergönnt bleiben, ihre Not¬ wendigkeit noch im 20. Jahrhundert behaupten zu können: Schon der Einbau einer leistungsfähigen Wasserturbine anstelle des herkömmlichen Wasserrades vermochte die Kapazitäten so zu steigern, daß die bisherige Produktion aufrechterhalten werden konnte oder sich durch die Erzeugung von elektrischer Energie neue Betätigungsfelder eröffneten. Auf dem Beleuchtungssektor dominierte im letzten Jahrhundert an der Saar noch das Petroleumlicht. Auch die vielen ihm anhaftenden Nachteile — es rauchte und stank, der Glaskörper mußte häufig geputzt werden und verbreitete letztlich nur einen küm¬ merlichen Lichtschein — konnten nicht über seinen Hauptvorteil hinwegtäuschen: Petroleum war eindeutig der billigste Brennstoff für die Masse der Bevölkerung, die sich aus Bergleuten und Eisenhüttenarbeitern zusammensetzte und deren Budget für den täglichen Lebensbedarf knapp bemessen war4. Eine Konkurrenz erwuchs dem Petroleumlicht erst, als die Gasbeleuchtung auf der Grundlage der erwähnten kosten¬ günstigen Erzeugung gewaltige Fortschritte machte. Vor allem nach der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche „Gasanstalten“5. Die Gasnetze breiteten sich gegen Ende des Jahrhunderts rasch aus, als die in den Städten steigenden Bevölkerungs¬ zahlen wachsenden Bedarf spüren ließen. Größter Nachteil einer weiträumigen Vertei¬ lung blieben allerdings bei der Ausbreitung der Gasversorgung immer die hohen Inve¬ 3 Mit der Bezeichnung „obere Saar“ wird im folgenden abweichend vom geographischen Be¬ griff der Saar der Streckenabschnitt des Flusses zwischen Saarbrücken und der heutigen Staatsgrenze bei Saargemünd umschrieben. 4 1 Liter Petroleum kostete um 1880 25 Pfg., der Liter Rüböl, das weniger qualmte und ange¬ nehmer roch, 70 Pfg. (vgl. LA Sbr. 564/862, p. 91ff.). 5 Vgl. z.B. 125 Jahre Gas für Saarbrücken (1982). Eine umfassende Geschichte der Gasversor¬ gung in der Saargegend bleibt ein Desiderat der landesgeschichtlichen Forschung. Zur allge¬ meinen Entwicklung vgl. Körting (1963), vor allem S. 163ff.;Brunckhorst(1978), S. 15ff.; Ambrosius, Staat als Unternehmer (1984), S. 42ff. 22