IV. Von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Die Konjunktur der späten 90er Jahre setzte sich nach der Jahrhundertwende fort und hielt fast unvermindert bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges an: die Förderung nahm kontinuierlich zu und überschritt im Rechnungsjahr 1904/05 die Millionen-Tonnen- Marke, die an den Fiskus abgelieferten Überschüsse waren beträchtlich. Nur in den Jahren 1903/04 und 1909/10 zeigte sich eine leichte Abkühlung, die bei relativ hohen Selbstkosten und rückläufigem Kohlenpreis zu einer Verminderung der Überschüsse führte. Der Kriegsausbruch hatte für die Grube Sulzbach-Altenwald natürlich sofort nachhaltige Folgen: durch Einberufungen zum Wehrdienst schrumpfte die Belegschaft bis 1915 auf beinahe die Hälfte, und in gleichem Umfang ging auch die Förderung zurück. In den letzen beiden Kriegsjahren gelang es, durch Reklamationen und den Einsatz von Kriegsgefan¬ genen die Förderung zu heben, doch erreichte sie bei weitem nicht das Vorkriegsniveau. Schon am Ende des ersten Kriegsjahres hatte Sulzbach-Altenwald zahlreiche Kriegsopfer zu beklagen: von der Grubenbelegschaft waren bis Ende 1914 bereits 151 Bergleute ge¬ fallen, ein Jahr später war die Zahl auf 239 gestiegen, dazu kamen 79 Kriegsbeschädigte; Ende 1917 waren es 291 Gefallene und 214 Kriegsbeschädigte.1 Betriebsorganisatorisch änderte sich während dieser Jahrzehnte nichts, an die Spitze der Inspektion V trat 1901 Hermann Stöcker,1 2 der zuvor zwei Jahre Berginspektor bei der In¬ spektion I, Kronprinz gewesen war. Ihm folgte 1908 Dr. Brunzel, der zwei Jahre später zum Bergrat, 1915 zum Oberbergrat befördert wurde und 1916 die Leitung der Grube König übernahm. In den letzten vier Jahren leitete die Inspektion ein gewisser Bergrat Lange, über dessen Person nichts weiter auszumachen war. 1. Der technische Betrieb Um die Jahrhundertwende waren auf Sulzbach-Altenwald insgesamt 22 bauwürdige Flöze von 0,60 -2,10 m Kohlenmächtigkeit aufgeschlossen. Die Abteilung Sulzbach wies folgende technische Anlagen auf:3 1. Die Mellinschächte I und II, in 24 m Entfernung voneinander an der Eisenbahn¬ strecke Saarbrücken-Bingerbrück abgeteuft bis zur 4. Tiefbausohle bei 362 m unter der Hängebank. Sie dienten der Förderung und Wasserhaltung sowie als einziehende Wetterschächte, aushilfsweise auch zur Seilfahrt. Sie waren ausgestattet mit 2 Förder¬ 1 LAS, Best. 564, Nr. 141, p. 254, 256, 262. 2 Hermann Stöcker (1860-nach 1935), 1893 Bergassessor in Bonn, 1898 Berginspektor auf Kron¬ prinz, 1900 Hilfsarbeiter im Handelsministerium, 1901 Bergwerksdirektor in Sulzbach, 1904 Bergrat, 1908 als Oberbergrat an das Oberbergamt Dortmund versetzt, 1924 Direktor des Ober- bergamtes Dortmund, 1925 Ruhestand. 3 Das Folgende nach den Ökonomieplänen für 1899/1901: LAS, Best. 564, Nr. 1782, p. 369 ff., 558 ff. und Nr. 1783, p. 92 ff. 86