Bereits am 18. August 1489 suchte Abt Gerhard durch die Verabschiedung einer neuen Dienstordnung für Klosterbeamte und andere Bedienstete das Reformwerk auch auf die ökonomische Situation der Abtei auszudehnen. Der diesbezügliche Konventsbeschluß lehrt uns, daß der Konvent sich inzwischen auf vierzehn Perso¬ nen vermehrt hatte1130. Neben Gerhard umfaßte er die Mönche Eberhard, Anto¬ nius, Johannes von Cues, Adrian von Alckmar, Adrian von Hartem, Gerbrandus, Johannes von Bacharach, Johannes von Arlt, Judocus von Köln (f 1520), den er¬ sten Nachfolger Gerhards, Johannes Gorkum, Tilman (von Emmerich) (f 1526), den Nachfolger des Judocus, Johannes von Turnholt und Arnold von Neumagen. Der niederländisch-niederrheinische Einschlag des Konvents überwiegt deutlich: acht Mönche kommen aus dieser Region, drei sind ihrer Herkunft nach nicht zu bestimmen. Jedoch ist es dem Reformkloster gelungen, in nur vier Jahren auch drei Mönche aus dem Mosel- und Mittelrheingebiet zu rekrutieren. In diesem Jahr 1489 wurde Abt Gerardus in Tholeia auch in die Bursfelder Kon¬ gregation aufgenommen1131. Elfmal, in den Jahren 1489, 1490, 1493, 1495, 1498, 1501, 1503, 1506, 1508, 1511 und 1516nahm er persönlich an den Generalkapiteln der Vereinigung teil, zweimal (1503 und 1516) war er Kopräsident des Kapitels, zweimal (1506 und 1511) hielt er die programmatische Kapitelpredigt, mehrfach wählte man ihn zum Schreiber, zum Visitator, beauftragte ihn mit diplomatischen Missionen1132. Der Abt von Tholey war eine bedeutende Figur der Reformbewe¬ gung geworden. An weiteren Quellen aus seiner Amtszeit lassen sich nennen: 1. Ein Lehnsbrief des Gerhart von Hasselt apt zu Tholey vom 31. IV. 1489 für Wilhelm III. Hombrecht von Schönberg1133. 2. Ein weiterer Lehnsbrief des Gerhart Apt zu Tholey für denselben vom 2. V. 14921134. 3. Eine Bulle des Papstes Alexanders VI. vom 4. XII. 1492 sicherte Abt und Konvent die freie Besetzung der Tholeyer Johanneskirche, der eigentlichen Pfarrkirche des Ortes zu, womit die bisherigen Einkünfte des Vikars an die Abtei fielen1135. Auch hier wird die Sorge des Abtes um das Kloster deutlich. Die Bulle setzte nämlich eine Zweckbestimmung für die zusätzlichen Ein¬ künfte fest: die Reparatur der Klosterbauten, die durch zwei Brände der letz¬ ten sechzig Jahre arg geschädigt worden waren:... a sexaginta annis citraprae- dictum monasterium tempore guerrarum combustum hisfuit et in ejus structu- ris et aedificiis magnam ruinam pertulit, ita ut ex illius (sc. capellae S. Joannis) 1130 Scheer, Abtei 77 ff. 1131 Volk, Generalkapitelsrezesse 237. 1132 Volk, Generalkapitelsrezesse 242.249. 257. 261.268. 270. 283.298. 306. 313. 327. 330. 334. 340.347.353.359.362.370.373.381.391.400.409.411.421.434. 443.451.459. Vgl. Scheer, Abtei 79 ff. 1133 LHA Koblenz 54/S 603. Vgl. Klein, Hombrechtlehen 109. 1134 LHA Koblenz 54/S 606. Vgl. Klein, Hombrechtlehen 109. 1135 Lager, Tholey2 102 ff. 203