späteren 11. Jahrhundert niedergeschriebenen ,Miracula S. Pauli1 in einer Passage, die als sechste lectio, als Matutinlesung am Sonntag in der Oktav (8. II.) des Festes des hl. Bischofs Paulus in die Liturgie des Klosters eingegangen war797. Aus dem li¬ turgischen Gebrauch wird der Text in die Mirakelsammlung gekommen sein; er selbst ist wesentlich älter und beruht auf Berichten zeitgenössischer Augenzeugen, wie der Autor der ,Miracula‘ selbst angibt. Es handelt sich um eine Vision des Ab¬ tes im Zusammenhang mit der Weihe der durch Ebroin erbauten und frisch vollen¬ deten Krypta: Bone memorie abba Ebroynus, criptarum edificatione consummata, que quin- que altaribus liquido insignite apparent, scrupulo animis iniecto, partes in va- rias fluctuando rapiebatur, cuius potissimum celebritate sanctorum is locus de- dicaretur. Der Abt hat eine Marienerscheinung und beschließt, die Krypta am Vorabend (1. II.) des Festes der Purificatio S. Mariae, damit nur wenige Tage vor dem Feste des Kiosterpatrons, zu weihen. Er versichert sich dabei der Unterstützung des Bischofs: Itaque talibus fidem adhibens accito ipsius urbis episcopo, qui tune in fabrica monasterii beati Mauri desudabat, votum bone voluntatis sue adimplere non distulit, et in kalendis februarii locus dedicatur, plurima ibi sanctorum pignera reverenter reconduntur... Es kann nur Bischof Heimo gemeint sein, der die Einrichtung des Nonnenklosters St. Maur etwa zwischen 1000 und 1011 betrieb798, was uns einen Anhaltspunkt für die Datierung des Abtes Ebroin liefert. Eine Episode der gegen Ende des 11. Jahrhunderts nach älteren Traditionen gefer¬ tigten Vita des Reformers Richard von St. Vanne bestätigt die Chronologie der Annalen und der ,Miracula‘. Danach haben Richard und Graf Friedrich von Ver¬ dun, bevor sie in St. Vanne Mönche wurden, in vicino sancti Pauli monasterio, ubi tune sub Hervino ab bäte novella plantatio florere coeperat et in dies fructificare sta~ gebat...799. Der nahezu gleichzeitige Geschichtsschreiber von Verdun, Hugo von Flavigny, weiß freilich, daß St. Paul zu dieser Zeit zwar eine reiche und blühende Abtei war, jedoch die Regel Benedikts nicht so streng gehandhabt wurde, wie es den beiden Postulanten vorschwebte800. Vielleicht dieser Diskrepanz wegen habe Abt Herwin beide an Fingenus, den Abt von St.Vanne, verwiesen, wohin Bischof Heimo eine Kolonie irischer Reformmönche berufen hatte801. Herwin ist - wie un¬ 797 V. d. Straeten, Manuscrits 148 f. 798 MG SS IV 47; vgl. Roussel, Histoire Verdun I 227. II 80; Evrard, Actes Nr. 38. 799 Vita S. Richardi, c. 5, MG SS XI 282. 800 MG SS VIII 370. 801 Vgl. Sackur, Richard 8: Dauphin, Richard 77 ff. 162