zu Trier tagenden Provinzialsynode, die sich um die Beseitigung der durch den Ungarneinfall hervorgerufenen Mißstände bemühte, nahm er teil718. Bernoin war jedoch kein Kirchenmann. Wie sein Bruder Adalbert war er ein Kriegsmann (acerrimae mentis vir), der Mönchsreform stand er wie dieser skep¬ tisch bis ablehnend gegenüber719. So zogen sich zahlreiche devoti, darunter auch Kanoniker des Domstifts, aus der Stadt zurück720. Für Tholey behielt er das Bi- schofsabbatiat bei721, so wie Adalbert bis 933 sein Laienabbatiat in Gorze vertei¬ digte722 723. Die Verduner Tradition hat schon im elften Jahrhundert nichts mehr über ihn zu sagen gewußt. Der um 1047 schreibende Fortsetzer der Bischofschronik, Mönch in St. Vanne, schrieb: cuius vitae priorum desidia solo nomine posteris manet me¬ moria721’. Bernoin starb im Jahre 939; Verdun hat nicht einmal sein Todesdatum (24. Mai) bewahrt. Wir kennen es aus dem Nekrolog von Tholey724. Begraben wurde er in St. Vanne. 718 Roussel, Histoire Verdun I 203; Lesort, Bernoin 851. 719 Vita Johannis Gorziensis, c. 38, MG SS IV 347. Vgl. Schultze, Forschungen 49 f.; Hübinger, Beziehungen 22. Doch hat sich Bemuinus ep. im Verbrüderungs buch von Remiremont ein¬ tragen lassen. Vgl. Hlawitschka u. a., Liber Mem. 101, F. 45r/18. Graf Adalbert besaß so¬ wohl von Verdun als auch von Metz Kirchenlehen und gehörte zur militia beider Bischöfe. Vgl. Prinz, Klerus 170. 720 Vgl. Jussy, Histoire Verdun II103. Die aktive christliche Elite verließ Verdun: Derprimice- nus Odilo zog sich nach Gorze zurück; Kanoniker des Domstifts, von der ekstatischen Jen¬ seitsvision eines Diakons begleitet, gingen nach St. Evre in Toul; die reclusa Rothildis trat in das von Bischof Gauzlin von Toul gestiftete Kloster Bouxieres ein; der an der Kirche von St. Vanne lebende reclusus Humbert zog in die Einsamkeit des Argonnerwaldes; andere Gläu¬ bige verließen die Stadt, um in lothringische Reformklöster einzutreten. 721 Die Nachricht des Crollius, Origines Bipontinae 1,67, daß Bernoin bereits vor seinem Epis¬ kopat Abt von Tholey gewesen wäre, die er aus einem handschriftlichen Abtskatalog des Klosters geschöpft haben will, dürfte reine Konjektur sein. Es ist ganz unwahrscheinlich, daß Crollius 1761 ein anderer Typ als der oben (S. 19 ff.) gekennzeichnete von Abtskatalog voriag. Er deutete also den Titel abbas et episcopus Virdunensis aus. Denn gerade nach dem Tholeyer Abtskatalog war ja Bischof Dado vor Bernoin Abt, und es ist nicht einzusehen, warum Dado sein Amt vor Ende seines Episkopats abgegeben haben sollte. Das Vertrauen, das Hübinger, Beziehungen 21 f., der Nachricht des Zweibrücker Geschichtsschreibers ent¬ gegenbringt, erscheint mir daher nicht gerechtfertigt. 722 Vjp. Herbomez, Cartulaire Gorze Nr. 91 (922); Vita Johannis Gorziensis, c. 36 ff., MG SS IV 347 f. 723 MG SS IV 45. Vgl. zum Fortsetzer der ,Gesta‘ Wattenbach/Holtzmann/Schmaie, Ge- schichtsquellen 193. 724 Vgl. o. S. 16. Bernoin wird im Tholeyer Nekrolog nicht ausdrücklich episcopus genannt. Dennoch ist die Identität nicht zweifelhaft; auch Bischof Stephan von Lüttich, Abt von St. Mihiel, wird in einer Urkunde für St. Mihiel nur abbas genannt (Lesort, Chronique St. Mi- hiel Nr. 18). In Verdun haben nur die Annales Virdunenses (MG SS IV 8) den Tod des Bi¬ schofs Bernoin notiert. Vgl. demnächst: Haubrichs, Annales Virdunenses. Eine vergessene frühmittelalterliche Annalenkompilation aus dem Kloster Sankt Paul in Verdun. Flodoard v. Reims notiert zu 939 (MG SS III 385): Bemuinus Virdunensis episcopus obiit. 149