neu bzw. in neuer Form238 ein Staatliches Konservatorium, die Schule für Kunst und Handwerk und die Höhere Technische Lehranstalt (Ingenieurschule). 4.3 Der Ausbau des saarländischen Bildungssystems durch Fachhochschulen Wenn die Initiative zur Gründung dieser Institutionen, die alle in Saarbrücken beheimatet wurden, ähnlich wie im Fall der Universität in den Jahren 1946/47 auch eindeutig von der Militärregierung ausging, so hat Straus nach anfänglichem Zögern, das insbesondere durch die allgemeine Not der Nachkriegszeit bewirkt wurde, dennoch bald die Entwick¬ lung dieser Bildungsstätten mit Wohlwollen begleitet239. Seine anfängliche Skepsis wich um so eher, als es der französischen Militärregierung gelang, namhafte Lehrer für diese Schulen zu gewinnen. Die Leitung des Konservatoriums, das bis zum Jahre 1951 eine Aus¬ bildungskapazität von rund 200 Schülern erreichte und erst danach weniger Zuspruch er¬ hielt240, übernahm mit Eric Paul Stekel ein Mann, dessen musikalische Qualitäten selbst in der kritischen Darstellung von Stilz über das Musikleben an der Saar nach 1945 „durchaus anerkannt“ werden241. Nachfolger Stekels wurde im Jahre 1952 der bekannte Musikpädagoge Joseph Müller-Blattau242. Für die Meisterklasse in Klavier konnte man mit Walter Gieseking sogar einen Pianisten von internationalem Rang verpflichten. Auf Gieseking war Grandval durch François-Régis Bastide243 aufmerksam gemacht worden. Diese Empfehlung war auch notwendig gewesen, denn, so Grandval, j’eus quelques diffi¬ cultés à le faire admettre car on lui reprochait d’avoir donné plusieurs concerts en présence de Hitler. Je parvins toutefois à lui faire donner, à la Salle Pleyel à Paris, un récital qui fut un très gros succès244. Bekannte Namen verbinden sich auch mit der Schule für Kunst und Handwerk, die nach dem Vorbild der seit 1934 in Deutschland meist im Anschluß an eine Kunstgewerbeschule aufkommenden Werkkunstschulen konzipiert war und bis zum Jahre 1950 etwa 150 und danach etwa 120 Schüler bildete245. Direktor der Anstalt, deren Schwerpunkt von Anfang an auf den sogenannten freien Malklassen lag, wurde der aus Hamburg stammende und lange Zeit in Nizza lebende H. H. Gowa. Neben ihm lehrten 238 Siehe oben, S. 130. 239 Aufgrund meines Artikels „La politique française de l’enseignement en Sarre après 1945“ in der Dezemberausgabe der französischen Zeitschrift „documents“ des Jahres 1980, in dem die Ge¬ nesis dieser Anstalten noch vor dem Hintergrund einer französisch-saarländischen Absprache angenommen wurde, erhielt ich von Gilbert Grandval ein längeres Schreiben, in dem er Wert auf diese Klarstellung legt. Grandval unterstrich seine Einwände mit dem Hinweis: Je peux en tout cas vous préciser qu’il (gemeint ist Straus) ne fut pour rien dans la fondation du Conservatoire de Sarrebruck ou dans celle de l’Ecole des Métiers d’Arts etc. Schreiben Grandvals an den Ver- fasservom9.1.1981. Straus selbst räumte in einem Gespräch, das am 30.9.1981 in Saarbrücken stattfand, ein, daß es der Zustimmung der Militärregierung zur Gründung dieser Bildungsein¬ richtungen bedurfte, reklamiert aber für sich, daß er als Leiter der saarländischen Kultusverwal¬ tung letztlich doch hauptverantwortlich für den sächlichen und personellen Aufbau dieser An¬ stalten gewesen sei. Interview E. Straus vom 30. 9. 1981. 240 Im Studienjahr 1951/52 hatte das Konservatorium 142Schüler, 1952/53 — 117, 1953/54 — 128 und 1954/55 - 154 Schüler. Statistisches Handbuch (Saarland 1955), S. 260. 24' E. Stilz, S. 375. 242 Auskunft über Leben und Werk Müller-Blattaus gibt der Nachruf, den die Saarbrücker Zeitung anläßlich seines Todes am 21. 10. 1976 in ihrer Ausgabe vom 25. 10. 1976 veröffentlicht hat. 243 Bastide ist heute ein in Frankreich bekannter Literatur- und Medienkritiker. 244 Grandval an den Verfasser vom 9. 1. 1981. 245 Statistisches Handbuch (Saarland 1950), S. 184 und Statistisches Handbuch (Saarland 1955), S. 260. 182