Rechte; denn die konfessionelle Schule habe an der Saar eine lange und kämpferische Tra¬ dition94. Fuest, die die verfassungsrechtlichen Wünsche ihrer Partei in einer bemerkens¬ wert sachlichen Rede zu begründen wußte, erkannte durchaus die, wie sie sich ausdrückte, unaufhebbare Problematik der Schulfrage an, indem sie nüchtern analysierend konsta¬ tierte: Geschieden sind wir — das ist eine historische Tatsache — mag das uns lieb oder leid sein, in einen christlichen und einen nichtchristlichen, in einen säkularisierten Volksteil9S 96. Dennoch müsse sich, so Fuest, die CVP für die Bekenntnisschule als Regelschule ent¬ scheiden, weil sie sich als christliche Partei mit einer Schulform, die die Gefahr einer Gleichmacherei, einer Nivellierung, eines flachen optimistischen Hinwegsehens über den Ernst der Bekenntnisse96 in sich berge, nicht abfinden könne. 2.4 Der Einstieg der Lehrerverbände Die schulpolitische Selbstsicherheit der CVP stand freilich nicht nur in Zusammenhang mit ihrer absoluten parlamentarischen Majorität, sie hatte ihre Ursache und Wirkung auch in der Gewißheit, daß die Katholische Kirche und die organisierte katholische Leh¬ rerschaft an der Saar hinter ihrem Schulprogramm stand. Die gemeinsame schulpolitische Front von Katholischer Kirche und CVP belegt eine Notiz im Tagebuch des Trierer Gene¬ ralvikars von Meurers. Danach ist der Saarbrücker Stadtdechant Prälat Philipp Kremer, der schon bei der Gründung der CVP eine Rolle gespielt hatte97, privat von dem Vorsit¬ zenden der Verfassungskommission, Herrn Johannes Hofmann (!), zur Mitarbeit an den kirchlichen und Schulfragen herangezogen worden und hat einen Entwurf für die Ab¬ schnitte vorgelegt... Die Bekenntnisschule ist als Regelschule bezeichnet98. Komplettiert wurde die Allianz zwischen Katholischer Kirche und CVP, und zwar ganz im überlieferten Geist des kämpferischen Verbandskatholizismus, durch die katholische Erzieherschaft. Ihr Zusammenschluß war zwar schon seit Januar 1946 betrieben worden, doch kam es erst am 8. Juni 1947 zur offiziellen Gründung des Verbandes katholischer Erzieher des Saarlandes99. Die Ursache dieser langen Vorbereitungsphase wurzelte nicht in etwaigen Behinderungen durch die Militärbehörden100, sondern in dem Willen, entgegen bishe¬ rigem Brauch das Verbandsleben generell ohne Rücksicht auf Schulformen und Ge¬ schlecht zu organisieren101. Dieses Streben nach Einheit vermochte jedoch konfessionelle Barrieren nicht zu überwinden. Anregungen aus Lehrerkreisen, eine Einheitsorganisation 94 Stenographischer Bericht über die (4.) Sitzung der Gesetzgebenden Versammlung des Saarlandes am 6. 11. 1947. Zitiert nach dem Abdruck bei R. Stöber (Pseudonym für H. Schneider), S. 423. 95 Ebenda, S. 422. 96 Stenographischer Bericht über die (4.) Sitzung der Gesetzgebenden Versammlung des Saarlandes am 6. 11. 1947. Zitiert nach dem Abdruck bei R. Stöber (Pseudonym fürH. Schneider), S. 423. 97 Vgl. R. H. Schmidt, Bd. 1, S. 170 f. 98 BA Trier, Abt. 105, Chronik 1947, S. 60. Die vollständige Quelle ist als Anlage 4 im Quellenan¬ hang wiedergegeben. 99 Sammlung des Verbandes katholischer Erzieher des Saarlandes, Protokollbuch, S. 2. 100 Das Vereinsrecht war von der Militärregierung in Baden-Baden bereits im Dezember 1945 wieder hergestellt worden. Die entsprechende Verordnung, die bereits in der Anmerkung 60 auf S. 146 erwähnt wurde, galt auch für das Saarland. Die näheren Ausführungsbestimmungen über die Zulassungsbedingungen finden sich im Journal Officiel Nr. 25 vom 21. 12. 1945. 101 Es muß hier allerdings angemerkt werden, daß die Lehrerinnenverbände in Deutschland im Ge¬ gensatz zu den Lehrervereinen stets Organisationen waren, die Erzieherinnen aller Schulformen geschlossen in sich vereinigten. 155