klaren Weg zu einem akademischen Bildungs- bzw. Berufsziel suchte. Die Zeit des bangen Wartens endete aber erst endgültig im Jahre 1950, als das saarländisch-französi¬ sche Kulturabkommen auch von den zuständigen parlamentarischen Gremien des franzö¬ sischen Vertragspartners ratifiziert worden war und damit rechtsgültig wurde. Erst dieser legislative Akt erlöste die neue Universität aus ihrem provisorischen Dasein, da nunmehr die Basis für eine noch zu konkretisierende Rechtsfähigkeit geschaffen worden war. Zwar kann man das Jahr 1948 (Vereinbarung vom 9. 4. im Quai d’Orsay) als offizielles Ge¬ burtsjahr der Universität des Saarlandes ansetzen, aus rechtlicher Sicht ist ihr eigentliches Gründungsjahr jedoch 1950. Mit dieser Feststellung soll an dieser Stelle das Thema „saar¬ ländische Universität“ vorerst beendet werden. Ihre weitere Entwicklung im Rahmen neuer bildungspolitischer Konstellationen wird an späterer Stelle zu verfolgen sein.357 Die Unterbrechung an dieser Stelle ist allein schon durch den in diesem Hauptabschnitt gesetzten chronologischen Maßstab geboten, zumal im letzten Kapitel der Zeit eigentlich schon etwas vorausgeeilt wurde. Dieses zeitliche Vorgreifen geschah zunächst um einer geschlosseneren Darstellung der Entstehungsgeschichte der Saarbrücker Universität willen. Mit dieser Kompaktheit wird nicht nur die inhaltliche Übersicht erleichtert, son¬ dern auch ein exemplarischer Wert erreicht; denn die Gründungsgeschichte der Univer¬ sität ist zugleich Beispiel für die Genesis anderer Einrichtungen mit anspruchsvollen Bil¬ dungsaufgaben, die im Saarland in den Jahren 1946/47 im Interesse bildungsökonomi¬ scher Autarkie und Eigenstaatlichkeit geschaffen wurden bzw. in neuer Form entstanden. Zu erwähnen sind hier das Musik-Konservatorium, die Staatliche Schule für Kunst und Handwerk sowie die Höhere Technische Lehranstalt358. Auf ihr Wirken wird an anderer Stelle noch näher eingegangen359. Eigentlich ausschlaggebend für das zeitliche Voraus¬ eilen bis in das Jahr 1950 war allerdings ein anderer Grund. Er wird erkennbar in der Gründungsgeschichte der saarländischen Universität selbst, wenn man sie, wie dies in dieser Untersuchung geschehen ist, vor dem Hintergrund politischer Entwicklungen be¬ leuchtet. Auffallend ist hier insbesondere das allmähliche Eingreifen der einheimischen Bildungspolitik in die Gestaltung des Bildungswesens nach 1947 und das deutliche Gel¬ tendmachen eigener Ansprüche und Interessen. Diese einsetzende Kompetenz der Saar¬ länder ist aus analytischen Gründen bis jetzt zurückhaltend erwähnt worden. Im nächsten Hauptkapitel wird diese Thematik jedoch schwerpunktsmäßig berücksichtigt, wobei die Aufmerksamkeit zuerst auf die bildungspolitische Willensbildung und ihre geistig-politi¬ schen Hintergründe gelenkt wird, um dann anschließend die bildungsrechtlichen Grund¬ lagen (u. a. Schulartikel der Verfassung, saarländisch-französisches Kulturabkommen) 357 Siehe unten, S. 208 ff. 358 Die im Saarland früher existierende Kunstgewerbeschule war von den Nationalsozialisten ge¬ schlossen worden. Das Staatliche Konservatorium und auch die Technische Höhere Lehranstalt (Ingenieurschule) sind vor allem dann als Neuschöpfungen zu nennen, wenn man davon absieht, daß es in Saarbrücken früher weniger leistungsfähigere Anstalten dieser Art in privater Träger¬ schaft gegeben hat. Das Konservatorium entstand im Jahre 1946. Vgl. dazu Abschrift eines Schreibens von Grandval an Neureuter vom 23. 7. 1946. LA Saarbrücken, Bestand Regierungs¬ präsidium Nr. 64. Die Staatliche Schule für Kunst und Handwerk und die Höhere Technische Lehranstalt wurden im Jahre 1947 eröffnet. Vgl. dazu im einzelnen den Bericht „Berufsfach¬ schulen“ April - Juni 1947. LA Saarbrücken, Bestand KM, Abt. Allgemeine Verwaltung, Z II - A— 1. 359 Vgl. unten, S. 182 ff. 130