nannten „Comité Restreint“, im Grunde eine Kernmannschaft des Verwaltungsrates der neuen Universität350. Dieser agile Ausschuß führte die Universität mit Geschick aus der kritischen Phase ihrer Entstehungszeit heraus, indem er nicht nur ein umfangreiches Bau¬ programm erfolgreich abschloß351, sondern auch die notwendigen verwaltungstechni¬ schen Einrichtungen sowie die Voraussetzungen für die Wahlen der akademischen Kör¬ perschaften schuf. Die Entschlossenheit des Ausschusses hob sich augenfällig von der zau¬ dernden Persönlichkeit des Gründungsrektors, dem Nancyer Physik-Professor Jean Bar¬ riol, ab, der am 1. November 1948 in sein Amt eingeführt worden war. Barriol genoß zwar als Wissenschaftler Ansehen, es mangelte ihm aber an Dynamik und Organisations¬ talent, um das schwierige Geschäft einer Hochschulgründung erfolgreich zu bewältigen. Er war ein netter, liebenswürdiger Mann, der keine Feinde besaß. Seine Freundschaft zu Donzelot brachte ihn nach Saarbrücken. Leider sprach er kein Wort Deutsch und au¬ ßerdem war er kein Verwaltungsmann352. Dem Gründungsrektor Barriol stand der Hom- burger Medizinprofessor Karl-Erich Alken als Prorektor zur Seite. Seine guten Dienste für die Universität hatte das „Comité Restreint“ schon vor der Amts¬ einführung Barriols bewiesen, als es im Mai 1948 den Saarbrücker Studentenstreik ent¬ schärfte, der keineswegs den politischen Hintergrund gehabt hat, den Schmidt ihm bei¬ messen will353. Das studentische Unbehagen entzündete sich vielmehr an der ungeklärten Frage der Äquivalenz ihrer Semester und Examen sowie an dem mäßigen Lehrangebot eines zum Teil wissenschaftlich nicht hinreichend qualifizierten Lehrpersonals. Man ver¬ langte Klarheit im Rechtlichen, pochte auf geringere Studiengebühren und erwartete schließlich einen regen akademischen Austausch mit anderen Hochschulen354. Für die ge¬ ringe politische Motivation des Studentenstreiks spricht zuletzt auch seine rasche und re¬ lativ friedliche Beilegung355. Im Grunde entsprang der Ausstand der rund 600 Studenten356 im Jahre 1948 der unge¬ wissen Zukunft ihrer akademischen Bildungsstätte und der damit verbundenen Unsicher¬ heit ihrer persönlichen Zukunftserwartungen. Dabei muß man erwägen, daß eine große Zahl der protestierenden Studenten wegen des Krieges einen kurvenreichen Bildungsgang in Kauf nehmen mußte und nun als verspätete Studiengänger um so ungeduldiger einen 350 Mitglieder dieses Gremiums waren die Herren Alken (Professor der medizinischen Fakultät), Babin (bis Oktober 1948, danach Woelfflin), Guinet, Leblay und de Liencourt (Hohes Kommis¬ sariat), Groh und Zarth (saarländisches Kultusministerium), Purwin (saarländisches Finanzmi¬ nisterium) und schließlich Mademoiselle Laumont, die Directrice du Budget beim Hohen Kom¬ missariat, eine, wie es Woelfflin in Anspielung auf ihre couragierte Wesensart formulierte, parole d’evangile. Interview P. Woelfflin vom 12. 10. 1977. ,51 Vgl. im einzelnen I. Spangenberg, S. 26 und 31. 152 Interview P. Wdelfflin vom 27. 11.1976. In einer vertraulichen Mitteilung, die Debré Louis Joxe, dem Generaldirektor der Abteilung für kulturelle Beziehungen im französischen Außenministe¬ rium, am 16.2.1949 zukommen ließ, ist in Bezug auf Barriol die Rede von einer certaine faiblesse du Recteur et l’insuffisance d’attention du Haut Commissariat sur un problem de personell. Mi¬ nistère des Affaires Etrangères, Archives et Documentation, Bestand Z Europe 1944 — 1949 juin. Sous-Direction de la Sarre au Quai d’Orsay, Nr. 35. 353 Vgl. R. H. Schmidt, Bd. 2, S. 656. 354 Vgl. I. Spangenberg, S. 28 und die Quellennachweise bei R. H. Schmidt, Bd. 2, S. 657 und S. 660 ff. ,5S Vgl. im einzelnen R. H. Schmidt, Bd. 2, S. 662. 156 Zahlenwert nach Bericht für die CVP-Landtagsfraktion (1949). Quellennachweis auf S. 126, Anm. 336. Das waren rund 30 % aller saarländischen Studenten. Etwa 1 200 studierten zur glei¬ chen Zeit an deutschen und etwa 200 an französischen Universitäten. Interview E. Straus vom 23. 11. 1976. 129