11.3 Einwände und Besorgnisse aus saarländischer Sicht Von saarländischer Seite erhielt die Militärregierung für ihre forsch angegangene Hoch¬ schulinitiative vorerst nur geringen Beifall. Zustimmung erntete sie vorläufig nur von der Verwaltungskommission306. Deren Präsident, Erwin Müller (CVP), antwortete auf die Ankündigung des Militärgouverneurs vom 28.2. 1947307, ein Hochschulinstitut in Hom¬ burg schaffen zu wollen, euphorisch, daß er mit großer Freude und mit besonderer Dank¬ barkeit ... von dem Entschluß der sofortigen Schaffung einer Universität (!) in Homburg Kenntnis genommen habe308. Einen beflissenen Befürworter fand Grandval auch in Straus, dem in der Verwaltungskommission zuständigen Direktor für Kulturfragen. Als energischer Verfechter einer autonomen Saar erkannte er dank seines politischen In¬ stinkts nicht nur sofort die Chance und die Bedeutung einer solchen Institution für den kommenden Saarstaat, er erspürte in seinem bildungspolitischen Eifer in ihr zugleich auch eine ausschlaggebende Vorbedingung für seine hochgesteckten bildungspolitischen Ziele, die von dem Grundsatz beherrscht waren, an der Saar endgültig eine durchgängig ausge¬ baute Bildungsstruktur zu etablieren309. Im Gegensatz zu dem in der Hochschulfrage ei¬ gentlich desinteressierten Erwin Müller konzentrierte sich der stets agil operierende Straus sofort um die Wahrung saarländischer Interessen. Wenn er auch im Grundsatz mit Grandval darin übereinstimmte, daß es die Hauptaufgabe der kommenden Hochschule sein müsse, den saarländischen Kader an Juristen und Philologen für Verwaltungsbeamte und höhere Lehrerschaft auszubilden310, so war er dennoch, wie überhaupt in der Gesamt- 106 Die aus sieben Mitgliedern bestehende Verwaltungskommission unter dem Vorsitz von Erwin Müller (CVP) trat am 8.10.1946 an die Stelle des bis dahin von Hans Neureuter geleiteten Re¬ gierungspräsidiums. Ihre Einsetzung erfolgte durch die Militärregierung, wobei diese unter Be¬ rücksichtigung des Kommunal Wahlergebnisses vom 15.9. 1946 (CVP 52,4 %, SPS 25,2 %, Freie Liste 13,0 %, KP 9,1 % - die CVP stellte nach dieser Wahl 81,5 % der Bürgermeister) folgende parteipolitische Parität festlegte: CVP 4 Mitglieder, SPS 2, KP 1 und DPS 1. Uber die Konzeption und Strategie der Militärregierung hinsichtlich der neuen saarländischen Administration gibt uns der Bericht (Synthèse générale) der Militärregierung für den Monat September folgende interes¬ sante Informationen: Bien que ces élections aient été des élections communales, la campagne électorale s’est faite en grande partie sur le plan politique et le parti chrétien populaire, à la suite de son succès, a prié le Gouvernement Militaire de vouloir bien envisager la transformation de l’actuel Regierungspräsidium. Il aurait désiré voir attribuer à M. Hoffmann, chef de ce parti, le poste de Regierungspräsident. Tel n’était pas l’avis des partis minoritaires et notamment du plus fort d’entre eux, le parti social démocrate. Pour régler cette situation, j’ai décidé d’adopter une solution moyenne. J’envisage, après accord du Commissaire Général aux Affaires allemandes et autrichiennes et du Commandement en Chef Français en Allemagne, de créer une commission d’administration provisoire de 7 membres; l’actuel Regierungspräsident, qui ne nous a d’ailleurs jamais donné de gages très précis et qui est de confession protestante ne serait pas remplacé. LA Saarbrücken, Bestand Handelsamt Saar Nr. 3. Zum französischen Vorurteil gegenüber prote¬ stantischen Beamten siehe oben, S. 77 f. Angemerkt sei auch eine Stellungnahme im Rapport dé¬ taillé für die Monate September bis Oktober 1946. Dort heißt es: Le Gouvernement Militaire, soucieux de ne pas créer une administration ayant un caractère trop politique. LA Saarbrücken, Bestand Handelsamt Saar Nr. 9. Die Synthese générale im Rahmen der Monatsberichte für den Monat September 1946 ist wiedergegeben im Quellenanhang (Anlage 1). 107 Vgl. oben S. 116 und die dortige Anm. 284. 308 Müller an Grandval vom 5. 3. 1947. Zitiert nach I. Spangenberg, S. 15. 309 Vgl. dazu die Ausführungen von Straus in der Saarbrücker Zeitung vom 6.3.1947 (Artikel: „Auf dem Wege zu einer saarländischen Universität“). 310 Zitiert nach einer Studie über die Errichtung einer Technischen Fakultät an der Universität des Saarlandes vom 16. Juli 1954 (Autor: Dr. Hans Groh, Referent für Hochschulangelegen¬ heiten im saarländischen Kultusministerium). LA Saarbrücken, Bestand KM, Abt. Hochschulen, UIS — T und UT — T. Vgl. auch die Ausführungen Grandvals und von Straus auf dem Homburger Festakt am 8. März 1947. Dort äußerten sich beide in ähnlicher Weise. Neue Saar vom 14. 3. 1947. 121