lingen, Dudweiler, Völklingen, Sulzbach und in gewisser Weise auch St. Ingbert mit ihren großen Arbeitersiedlungen. Noch aufschlußreicher als die Statistik der Erwerbspersonen nach Wirtschaftsgruppen sind für die Ermittlung der bildungspolitischen Bedingungsfelder im Saarland die Zahlen der Erwerbspersonen nach Berufsgruppen. Für das Jahr 1951 meldet die Statistik für das Saarland 55,2 % Arbeiter, 15,8 % Angestellte, 4,6 % Beamte, 11,7 % Selbständige und 12,7 % mithelfende Familienangehörige16. Vergleicht man diese Sozialschichtung mit einer Erhebung für die Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahre 1950, so sind wesent¬ liche Unterschiede nicht festzustellen17. Den höchsten Arbeiteranteil an der Gesamtheit der Erwerbspersonen hatte im damaligen Saarland der bevölkerungsdichte Kreis Saar¬ brücken-Land mit 62,8 %. Es folgten Ottweiler mit 59,3 %, St. Ingbert mit 58,1 %, Saar¬ louis mit 56,6 % und Homburg mit 54,6 %. Erst an vorletzter Stelle, eingebettet in die beiden Landkreise St. Wendel (46,7 %) und Merzig-Wadern (45,8 %) folgte die Stadt Saarbrücken mit 46,6 %. Als Verwaltungszentrum hatte die saarländische Metropole mit Abstand den höchsten Angestellten- (30,1 %) und Beamtenanteil (7,6 %) an den Erwerbs¬ personen. Die Landkreise kamen hier nur auf einen Schnitt von 14 — 15 % bzw. 4,5 %. Bei den Selbständigen kam Saarbrücken auf eine Quote von 11,9 %, die Landkreise schwankten hier zwischen 16,5 % (Merzig-Wadern!) und 8,1 % (Saarbrücken-Land)18. Damit bestätigt die Statistik, daß im Saarbrücken der fünfziger Jahre eine starke Mittel¬ schicht zuhause war, die sich in ihren Interessen auf die gewerbliche Wirtschaft, die freien Berufe und die behördliche Verwaltung orientierte, eine soziale Situation, die, wenngleich auch in kleineren Maßstäben, gleichfalls für die alten Verwaltungsstädte Saarlouis, Merzig, Blieskastel, St. Wendel, Ottweiler und Homburg festgehalten werden muß. Ge¬ nannt sind damit zugleich auch die Zonen im Saarland, in denen die stärksten Ansprüche nach qualifizierter Bildung geltend gemacht wurden. Das Bildungsgefälle zwischen „Stadt“ und „Land“, das Leschinsky im Zusammenhang mit der Entwicklung der Volks¬ schuloberstufe in Deutschland nach 1920 mit einer Reihe von Statistiken recht eindrucks¬ voll belegt hat19, war also auch an der Saar nachhaltig spürbar20. Neben der Sozialstruktur sind die religiösen Verhältnisse eine weitere wichtige bildungs¬ politische Komponente. Schon Max Weber hat als Begründer der Religionssoziologie deutlich gemacht21, daß sowohl das Maß des Bildungsstrebens der Bürger als auch ihr bil¬ dungspolitisches Verhalten im engen Zusammenhang mit ihrer Konfessionszugehörig¬ keitsteht. Im Jahre 1951 lebten im Saarland 73,4 % Katholiken und 25,3 % Protestanten. Doch dieses Verhältnis ist in den einzelnen Kreisen höchst unterschiedlich, womit die Un¬ einheitlichkeit als Wesensmerkmal des saarländischen Daseins auch im religiösen Raum ihren Niederschlag findet. Mit 47,4 % evangelischen Bürgern erreichte der Kreis Hom- 16 Statistisches Handbuch (Saarland 1955), S. 63. 17 Damals errechnete man für die Bundesrepublik folgende Werte: Arbeiter 51,0 %, Angestellte und Beamte 20,0 %, Selbständige 14,8 % und mithelfende Familienangehörige 14,5 %. Statisti¬ sches Handbuch (Bundesrepublik Deutschland 1955), S. 109. Die grundlegende Erhebung für die Statistik der Erwerbspersonen nach Berufsgruppen wurde in der Bundesrepublik im Jahre 1950, an der Saar im Jahre 1951 durchgeführt. 18 Werte nach Statistischem Handbuch (Saarland 1955), S. 63. 19 A. Leschinsky, S. 60 ff. 20 Vgl. unten S. 38 ff. 21 Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an Erlinghagens Untersuchung über das katholische Bil¬ dungsdefizit in Deutschland. K. Erlinghagen. Vgl. darüber hinaus M. Klöcker. 26