chung. Aus der Gruppe gedruckter Quellen verdienen die von Heinrich Schneider unter dem Pseudonym Robert Stöber schon im Jahre 1952 vorgelegten Sitzungsprotokolle der Verfassungskommission, der gesetzgebenden Versammlung und des Verfassungsaus¬ schusses besondere Erwähnung39. Sie waren für die Darstellung der Entstehungsge¬ schichte der Verfassungsartikel über den öffentlichen Bildungsbereich geradezu unent¬ behrlich. Eine glückliche Ergänzung dazu stellt die von Schranil40 herausgegebene kom¬ mentierte Verfassung des Saarlandes, die Anfang der fünfziger Jahre mit Unterstützung der saarländischen Regierung erschien, sowie die von Thieme41 im Jahre 1958 veröffent¬ lichte Analyse der verfassungsrechtlichen Entwicklung an der Saar dar. Eine wesentliche Quellengrundlage waren für diese Arbeit die schriftlichen und mündli¬ chen Mitteilungen von maßgebenden Persönlichkeiten. Der Einzelnachweis hierzu findet sich im Quellen- und Literaturverzeichnis42. Leider erhielt der Verfasser auf einige Inter¬ viewanfragen abschlägige Bescheide. In der Regel wurde die Absage mit schlechten Erfah¬ rungen begründet, die man persönlich in den bewegten Jahren von 1945 bis 1955 gemacht habe. Die Zurückhaltung ist zu respektieren. Dieser Respekt steht im Zusammenhang mit der eigenen Erfahrung, daß mit zunehmendem Eindringen in die Komplexität des Saar¬ konflikts, der bis heute von der Saarbevölkerung noch nicht bewältigt ist, eindeutige Ant¬ worten immer schwieriger zu geben waren. Aus der Reihe der Personen, die bereit waren, Auskünfte zu geben, seien an dieser Stelle zwei Gesprächspartner besonders herausge¬ hoben: Pierre Woelfflin (Besançon), der langjährige Leiter der Kulturabteilung im Hohen Kommissariat bzw. der Mission Diplomatique, und Dr. Emil Straus (Nizza), Leiter der saarländischen Kultusverwaltung von Januar 1946 bis Dezember 1947 und danach bis zum Frühjahr 1951 erster Kultusminister des Saarlandes. Herrn Woelfflin, der spontan zur Mitteilung bereit war, verdankt diese Studie nicht nur generelle Informationen über die kulturpolitischen Absichten Frankreichs an der Saar, sondern auch mitgeteilte interne Kenntnisse über Personen, das Beziehungsgeflecht zwischen Franzosen und der saarländi¬ schen Bevölkerung, das Universitätsleben und über die Organisationsstruktur der franzö¬ sischen Dienststellen im Saarland sowie deren Verhältnis zu Paris. Herrn Minister a. D. Dr. Straus, der anfänglich recht zurückhaltend war, dann aber in den folgenden Gesprächen in Saarbrücken und Nizza immer freimütiger Auskunft gab, ist zu danken für ausführliche Informationen über seine persönlichen Gestaltungsabsichten als Direktor der saarländischen Kultusverwaltung, als Kultusminister und als saarländischer Gesandter in Paris. Er berichtete auch über Bestrebungen seiner Partei (CVP), über Vor¬ gänge in der Schulaufsicht und Schulverwaltung, über personalpolitische Entscheidungs¬ prozesse und über seine Beziehungen zu französischen und saarländischen Politikern. Ausführlich waren seine Mitteilungen über Streitfragen der saarländischen Bildungspo¬ 39 R. Stöber (Pseudonym für Heinrich Schneider). 40 R. Schranil. 41 W. Thieme. 42 Gesondert erwähnt werden dort (A, III, 13.) auch eine Reihe von Gesprächsaufzeichnungen und Briefe, die von Dr. Johannes Volker Wagner (heute Stadtarchiv Bochum) in den Jahren 1965 und 1966 im Zuge einer geplanten aber nicht verwirklichten Monographie über die Ge¬ schichte der Saaruniversität angefertigt bzw. empfangen worden sind. Diese Unterlagen befinden sich heute in einer Sammlung der Universitätsbibliothek Saarbrücken. Dieser Lagerungsort er¬ klärt sich dadurch, daß Herr Wagner sein Vorhaben im Auftrag des damaligen Rektors der Uni¬ versität Saarbrücken anging und von der Wissenschaftlichen Gesellschaft der Saaruniversität fi¬ nanziell ausgestattet wurde. 19