Hans- Walter Herrmann Studienfahrt zu einigen ostfranzösischen Festungsstädten. Zusammenfassung der Ergebnisse. Die an das Kolloquium anschließende eintägige Studienfahrt hatte die ostfranzö¬ sischen Festungsstädte Metz, Verdun, Montmedy und Longwy zum Ziel. Die Besichti¬ gungen und Erläuterungen blieben bewußt auf die Zeugen der festungsgeschichtlichen Vergangenheit beschränkt und ließen andere bedeutende Bauwerke am Ort, auch die beiden Kathedralen von Metz und Verdun, beiseite. Zwischen Montmedy und Longwy führte die Fahrtroute an einer Reihe von Werken der französischen Grenz¬ befestigung aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen (Maginot-Linie) vorbei. Kurz vor Einbruch der Dämmerung wurde die ehemalige Festungsstadt Diedenho- fen/Thionville durchquert, vom Bus aus waren einige Befestigungen (Wälle, Tore) des 18. und 19. Jhs. im Vorbeifahren erkennbar. Die Festungsstadt Metz Den Charakter einer Festungsstadt in dem in der Abschlußdiskussion (S. 224 ff.) formulierten Sinne hatte Metz nur in einem bestimmten Abschnitt seiner geschichte, nämlich von der Mitte des 16. Jhs. bis in die erste Hälfte des 20. Jhs.; aber auch in¬ nerhalb dieser Zeit nahm die Stadt gleichzeitig wichtige andere Funktionen als Sitz staatlicher und kirchlicher Verwaltungen und als regionales Handels- und Verkehrs¬ zentrum wahr. Eine größere keltische Siedlung ist auf dem kleinen Bergsporn zwi¬ schen der Mosel und der Seille südlich der heutigen Kirche St. Segolena durch Gra¬ bungen nachgewiesen. Stratigraphische Untersuchungen belegen eine kontinuierliche Siedlung seit dem 8. Jh. v. Chr. In römischer Zeit wurde südlich anschließend eine Stadterweiterung mit regelmäßigem Straßennetz angelegt. Dem alten Cardo maximus entspricht die heutige Rue Serpenoise, so benannt nach einer von der moselauf gelege¬ nen Römersiedlung Scarponna her kommenden Straße. Nach den Germaneneinfällen des letzten Viertels des 3. Jhs. wurde ein Teil der gallo-römischen Stadt ummauert. Eine christliche Gemeinde entstand in der 2. Hälfte des 3. Jh., der Bischofssitz lag seit der 2. Hälfte des 5. Jhs. im Bereich der heutigen Kathedrale. Im Hoch- und Spätmit¬ telalter dehnte sich die Stadt weit über die alten römischen Stadtmauern hinaus aus. Die Bischöfe verlegten infolge der zunehmenden Reibungen mit der nach Selbstver¬ waltung strebenden Stadtbevölkerung ihre Residenz im Jh. nach Vic an der Seille, südöstlich von Metz, das Mittelpunkt des fürstbischöflichen Territoriums wurde. Metz war seitdem freie Reichsstadt und verfügte über ein ausgedehntes rechtsstädti¬ sches Territorium (Pays Messin). 1552 übertrugen die deutschen protestantischen Fürsten im Vertrag von Chambord dem König heinrich II. von Frankreich das Reichs¬ vikariat über die drei Städte Metz, Toul und Verdun, um sich dadurch seine Unter¬ stützung in ihrer Auseinandersetzung mit kaiser karl V. zu sichern. Zu diesem Zeitpunkt hatte Metz die übliche mittelalterliche Stadtbefestigung, wie sie sich im Laufe von Jahrhunderten entwickelt hatte. Davon sind heute noch Reste erhalten, von denen die Doppeltoranlage des Deutschen Tores zu beiden Seiten der 231