auf der jenseitigen Mainseite gelegenen Schlosses Marienberg konzentriert3, das den Landesherren seit Generationen als Wohnsitz diente. Allerdings konnte dieses befe¬ stigte Bergschloß nicht gehalten werden und wurde wenige Tage nach der Besetzung der Stadt im Sturm genommen, weil die Besatzung offenbar numerisch zu schwach und obendrein demoralisiert war4. In den folgenden Jahren der schwedischen und sachsen-weimarischen Regierung wurden dann zwar umfangreiche Maßnahmen zum Ausbau der Fortifikationsanlagen auf dem Marienberg und der zu seinen Füßen gele¬ genen Vorstadt, des Mainviertels, eingeleitet, ohne daß diese Arbeiten jedoch abge¬ schlossen waren, als sich im Herbst 1634 das Blatt auf dem Kriegsschauplatz aber¬ mals wendete. Wie zuvor den Truppen Gustav Adolfs, so gelang es nun unschwer den Kaiserlichen, die schlecht verwahrte Stadt in ihre Hand zu bringen; hingegen konnten sich die Schweden auf dem Marienberg noch rund drei Monate behaupten und schließlich sogar einen ehrenvollen Abzug erlangen. Selbstverständlich hatten der zurückgekehrte Territorialherr und die Bürgerschaft aus den leidvollen Erfahrungen gelernt, doch an bedeutsame Rüstungen oder eine gründliche Modernisierung der Stadtbefestigung war schon aus finanziellen Erwägungen nicht zu denken. Man behalf sich daher mit den dringendsten Reparaturen und Verstärkungen, wartete auf den ersehnten Frieden und hoffte möglichst ungeschoren davonzukommen. Mit diesen Wünschen gab man sich indes Illusionen hin; Stift und Stadt mußten nämlich in den folgenden Jahren wiederholt Winterquartiere hinnehmen. Darüber hinaus wurde das Territorium von feindlichen Truppen heimgesucht; es hatte Kontributionen zu zahlen sowie Proviant, Fourage und jedwede Art von Kriegsmaterial zu liefern, wobei Freund und Feind das Land gleichermaßen aussogen. Zwar blieb die Stadt Würzburg von einer abermaligen Eroberung und feindlichen Besetzung verschont, jedoch entging sie diesem Schicksal nur dank glücklicher Umstände und — so etwa im Jahr 1639 — durch Zahlung von Brandschatzung. Johann Philipp von Schönborn, der im Jahr 1642 zum Fürstbischof von Würzburg gewählt worden war, übernahm die Regierung eines politisch und wirtschaftlich da¬ niederliegenden Territoriums, in dem das Wort des Landesherrn oft weniger als das der feindlichen oder verbündeten Heerführer galt5. Vorrangig stellte sich dem ener¬ gischen neuen Fürsten daher die Aufgabe, das Stift vor weiteren Erpressungen und somit vor dem totalen Ruin zu bewahren und seine Autorität durchzusetzen, Ziele, die angesichts unzulänglicher Machtmittel und ohne ein baldiges Ende des verheerenden Kriegs freilich kaum zu verwirklichen waren. Solange ein allgemeiner Friedensschluß noch ausstand, mußte sich der Fürst deswegen mit dem Nächstliegenden begnügen, und das hieß, er suchte einerseits die Kriegsvölker von Freund und Feind von den Grenzen seines Territoriums fernzuhalten, wobei er auch vor Abkommen mit den Schweden und Kontributionszahlungen nicht zurückschreckte6, und bemühte sich andererseits, die Verteidigungskraft des Landes zu stärken, indem er vor allem den Ausbau der Würzburger Befestigungsanlagen vorantrieb. Daß bei diesen Anstrengun¬ 3 Vgl. dazu die Tafeln 1—2 Seite 253 f. 4 Freeden, Festung Marienberg, S. 150 ff., Seberich, Erstürmung des Schlosses Marienberg, S. 98 ff. Über das Kriegswesen des Stifts im Dreißigjährigen Krieg unterrichtet die Dissertation von Arnold, eine Faktensammlung bietet zudem Kopp, S. 38 ff. 5 Jürgensmeier, S. 36 f., 58 f. 6 Arnold, S. 21, Mentz I, S. 30 ff. 125