Gleichstellung der zuziehenden Ausländer40, die Errichtung von Märkten41 und Ge¬ richtssitzen42 als beste Ansiedlungsanreize genannt. Sehen wir uns die gewährten Vergünstigungen näher an. Befreiung von Abgaben, Steuern und Dienstleistungen. Die Urkunde für Homburg und Bitsch enthält die Befreiung (exemption) von allen Abgaben an den König, an einzelne oder Gemeinschaften. Die Abgaben werden nicht im einzelnen aufgezählt43. Vielleicht hatte die die Urkunde ausstellende Kanzlei keine näheren Kenntnisse über die bisherigen Belastungen der Bevölkerung dieser beiden Orte, die ja erst im September 1679 von französischen Truppen besetzt worden wa¬ ren. Da in den voraufgegangenen Kriegen beide Orte stark entvölkert waren und gerade im Falle Homburg die wirklich von der Ortsbevölkerung geschuldeten Pflich¬ ten und Lasten durch die wechselnde lothringische, kurtrierische, nassauische und französische Besatzung umstritten gewesen sein könnten, scheint die hier gewählte pauschale Befreiung als elegante Lösung. Zu unterstreichen ist, daß der König nicht nur auf die ihm als neuem Stadtherren geschuldeten Abgaben und Rechte verzichtet, sondern die Befreiung auch auf Leistungen ausdehnt, die anderen natürlichen oder juristischen Personen geschuldet wurden. Da diese Formulierung der Einbindungen der zur Wiederbesiedlung anstehenden Städte in frühere Herrschaftsverhältnisse Rechnung trug, war sie auf die neu gegrün¬ deten Festungsstädte nicht anwendbar. Die für sie ausgestellten Urkunden sind präzi¬ ser. Übereinstimmend werden die Einwohner und Bürger von Saarlouis und Neubrei¬ sach ausgenommen von taille, subvention, quartier d’hyver et autres taxes de quelque nature qu’elles soyent44. Taille ist die damals in Frankreich übliche Steuer vom bürgerlichen Grundbesitz. Subvention kommt als abgabetechnischer Terminus im Königreich Frankreich erst gegen Ende des Ancien Régime auf. Hier ist wohl an die im Herzogtum Lothringen übliche Subvention genannte Grundsteuer gedacht. Für Saarlouis, das auf altem her¬ zoglich lothringischem Territorium entstand, ist die Verwendung dieses in der lothrin¬ gischen Finanzverwaltung gebräuchlichen Wortes verständlich. Die parallele Verwen¬ dung des früher gültigen lothringischen und des jetzt üblichen französischen steuer¬ technischen Begriffes sollte wohl verdeutlichen, was hier gemeint war. Daß das Be¬ griffspaar taille — Subvention sich auch in der Urkunde für das im Elsaß gelegene Neubreisach findet, mag mit der auf weite Strecken wörtlichen Übernahme des Saar- louiser Sammelprivilegs für Neubreisach Zusammenhängen. Bei Homburg und Bitsch wurde die Befreiung von der Grundsteuer mit der Auflage der Rekultivierung des verödeten Landes verbunden. 41 Vgl. Beilage I, 1 und Beilage II, 1. 42 Urkunde für Longwy 1683 (vgl. Anm. 17): ayant estimé que rien n’y pourroit contribuer davantage que d’establir en icelle un présidial qui outre les officiers dont il seroit composé y attireront encore nécessairement grand nombre de personnes. Urkunde für Saarlouis 1685 (vgl. Anm. 28): nous avons résolu de créer un bailliage et siège présidai en nostre ville de Sar- relouis non seulement comme un lieu pour eux très commode mais aussy comme le moyen qui pouvait le plus contribuer à peupler la ditte ville et la rendre considérable .... 43 ... que les habitans qui sont présentement establis dans la basse ville d’Hombourg et dans celle de Bitche comme aussy ceux qui s’y viendront establir cy après jouissent de l’exemption de tous droicts et redevances tant à nostre egard qu’à celuy des particuliers ou communautés à qui ils pourraient appartenir ... 44 Beilage I, 2, Beilage III, 2. 97