beweist, nichts an seinem Bild vom Staat als einer durch einen Alleinherrscher als lei¬ tenden Ingenieur zu lenkenden Maschinerie4. 1651 wurde Vauban Kadett im flandrischen Regiment des großen Condé, nach seinem Frontwechsel 1653 Gehilfe des königlichen commissaire général des fortifi¬ cations Clerville, erhielt dann schon zwei Jahre später das von Sully 1604 eingeführte brevet d’ingénieur und damit den Rang eines ingénieur ordinaire du Roi, 1668 auf Fürsprache von Louvois schließlich, mit dem Gouvernement der Zitadelle von Lille, die Vollmachten und 1678, nach dem Tode Clervilles, auch formell das Amt des Generalkommissars, verwaltet von ihm, über seine 1688 erfolgende Beförderung zum lieutenant-général hinaus, bis 1703, dem Jahr seiner Ernennung zum maréchal de France, ein Rang, mit dem Titel und Tätigkeit eines commissaire général damals un¬ vereinbar schienen5. In diesem halben Jahrhundert wurde Vauban mit dem Ausbau von mehr als 300 Festungen, darunter 33 Neubauten, zum größten Festungsbaumeister seiner Zeit, und zwar keineswegs nur mit Innovationen im Bereich der Technik des Festungsbaus, bezeichnet gemeinhin mit den Formeln „1., 2., 3. System bzw. Manier Vaubans“, sondern darüberhinaus mit gewichtigen Beiträgen zu den für Bündnispolitik und Kriegsziele Frankreichs sowie für friedensvertragliche Regelungen konstitutiven stra¬ tegisch-politischen Entscheidungen über den Verlauf dieses ersten, entsprechend der weit schon fortgeschrittenen Entwicklung zur staatlichen Einheit, als ein einheitliches Ganzes konzipierten, gleich den „ordres de bataille“ aus zwei Linien bestehenden Festungsgürtels zum Schutze eines größeren Staates in Europa6 7. Ferner nahm Vauban in dieser Zeit an mehr als 40 erfolgreich abgeschlossenen Belagerungen teil, davon 20 unter dem Kommando des Königs. Damit hat er, wie es in Saint-Simon’s „Additions“ zum „Journal de Dangeau“ heißt, die Lorbeeren ge¬ pflückt, mit denen le Roi avait environné son front1, und für sich selbst den Ehrentitel eines preneur des villes, eines „Demetrios Poliorketés der Neuzeit“, erworben sowie den Rang eines „Klassikers der Kriegskunst“, und zwar letzteres mit der „Summa“ dieser kriegerischen Erfahrungen, seiner Theorie des Angriffs und der Verteidigung fester Plätze. Noch 1870/71 hat man sich im Festungskrieg an die von ihm entwickel¬ ten Maximen und Regeln des „methodischen Angriffs“ gehalten, länger sogar noch als im Festungsbau an sein bereits von Cormontaigne und der Schule von Méziéres 4 Vauban, Projet d’une Dîme Royale, publ. par E. Coornaert, Paris 1933, S. 195 ff.; vgl. hierzu vom Vf., Reformforderungen in Frankreich um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhun¬ dert, in: HZ 209 (1969), S. 313 f. V. forderte hier eine Gliederung der Bevölkerung par Décu¬ ries comme les Chinois ou par Compagnies comme nos Régimens. 5 Dazu Vauban I, S. 121 f. Anm., S. 519; vgl. Rebelliau, S. 278. 6 Hierzu Denkschriften Vaubans vom November 1678 (Vauban I, S. 189 ff.) sowie vom Januar 1694 (Vauban I, S. 192 ff.); vgl. Rebelliau, S. 121 f. Dieser Festungsgürtel sollte nach dem Willen Vaubans eine defensive und eine offensive Funktion haben, fermer les entrées de notre pays à l’énnemi et nous les faciliter dans le sien (S. 189). In der Denkschrift von 1694 wird, entsprechend der veränderten politischen und militärischen Lage, die offensive Funktion frei¬ lich weniger betont. 7 Journal de Marquis de Dangeau avec les additions inédits du Duc de Saint-Simon, XI, Paris 1857, S. 332. Ähnlich urteilte Voltaire, der meinte, Ludwig XIV. habe den Landkrieg perfek¬ tioniert par l’industrie de Vauban (Œuvres historiques, publ. par R. Pomeau, Bibi. Pléiade, Paris 1957, S. 726). 49