bauten ein39. Sie erfolgten ausschließlich auf kurfürstliche Initiative. Die Bürger, im 13. Jahrhundert so eifrig bestrebt, ihre Stadtmauer zu bauen, empfanden sich jetzt nur als Leidtragende, die ihre Wein- und Baumgärten durch die Fortifikation verlie¬ ren. Noch mehr als diesen ersten Versuchen, Bonn modern zu befestigen, verdankte es die Stadt ihrer tüchtigen Garnison, daß sie im Dreißigjährigen Krieg nicht eingenom¬ men wurde. Aber um welchen Preis! Die Garnison belastete die Bürger nicht nur durch die Einquartierung sondern auch wegen der Übergriffe der Soldateska. Der Kurfürst selbst war machtlos gegen ihr Treiben40. Immerhin diente unter Ferdinand, der ein besorgter Landesvater war und tat, was in seinen Krfäten stand, um den be¬ drängten Untertanen zu helfen, die Festung und ihre Garnison dem äußeren Schutz der Bürger und der Flaupt- und Residenzstadt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhun¬ derts wurde die Bastionenfestung Bonn ein wichtiger Stützpunkt für die französischen Feldzüge gegen die Generalstaaten und 1673, 1689 und 1703 belagert. Die Kölner Kurfürsten hatten nur eine untergeordnete Rolle dabei; sie erlebten die schlimmsten Phasen der Bonner Schicksale im sicheren Exil. Jedesmal rückte die französische Be¬ satzung nach der Kapitulation relativ intakt ab und überließ die Bürger ihrem Schick¬ sal. 1689 war Bonn zum Zentrum eines hinhaltenden und kräftebindenden Wider¬ standes ausersehen worden. Neben dem französischen Gouverneur hatte der kölnische Kommandant bald nichts mehr zu sagen. In der Besatzung überwog das französische Element41. Nachdem die Stadt von den Franzosen in eine waffenstarrende, vollständig verproviantierte, von einem Teil der Bürger verlassene Festung umgeschaffen, das vor den Bastionen liegende Land — darunter viel bürgerlicher Besitz — in systematischer Zerstörung in ein Glacis verwandelt war, begann die Beschießung vom rechten Rhei¬ nufer aus. Sie zerstörte die Innenstadt, die Festungswerke blieben intakt. Militärisch war das Bombardement sinnlos. Erst als man Approchen von der Landseite her an die Werke herangetrieben hatte, konnte man nach fast dreimonatiger Belagerung die Festung zur Übergabe veranlassen. Als sich das Schicksal 1703 zu wiederholen drohte, verhandelte die Stadt insgeheim mit dem Gegner und erkaufte sich eine gewisse Scho¬ nung bei der Beschießung. Frauen und Kinder wurden aus der Stadt geschafft, der französische Kommandant wollte die wenigen noch in der Stadt verbliebenen Bürger zum Kriegsdienst auf die Wälle zwingen, nur mit dem Erfolg, die Flucht aus der Stadt zu einer beinahe vollständigen zu machen. Einen extremeren Fall der Entfremdung städtischer Festungswerke von ihrem ursprünglichen mittelalterlichen Zweck kann man sich kaum vorstellen. Die Garnison sprach ja nicht einmal die Sprache der Ein¬ wohner Bonns. Aber auch von den kurkölnischen Soldaten trennt den Bonner Bürger eine tiefe Kluft. Nicht nur endlose Klagen über Übergriffe, Diebereien usw. des frem¬ den Militärs füllen bis 1715, als die holländische Besatzung, die nach der französi¬ schen Kapitulation einzog, endlich auch abzog, die Protokolle des Stadtrats, auch zum 39 Edith Ennen, Grundzüge der Entwicklung einer rheinischen Residenzstadt im 17. und 18. Jahrhundert. Dargestellt am Beispiel Bonns, (wie Anm. 1) S. 344 ff. Dsb. und Dieter Hö- roldt, Vom Römerkastell zur Bundeshauptstatt. Bonn 1976, S. 122 ff., Gebhard Aders, Bonn als Festung (wie in Anm. 5). Vgl. das Schreiben des Kurfürsten an den kaiserlichen Feldmarschall Grafen Hatzfeld vom 30. 3. 1642: Edith Ennen, Kurfürst Ferdinand von Köln (1577—1650), (wie Anm. 1), Bei- läge Nr. 2, S. 504. 1 Max Braubach, Kurkölnische Gestalten und Ereignisse aus zwei Jahrhunderten rheinischer Geschichte, Münster i. W. 1949, S. 117 ff. 33