Albrecht von Solms-Braunfels und Otto von Solms-Hungen eine entscheidende Rolle spielten. Als Verwandte der Oranier waren sie an einer Entlastung der Niederlande interessiert, vor allem an einem Druck auf die sog. spanische Straße links des Rheins, auf der die in den Niederlanden kämpfenden spanischen Truppen versorgt wurden, weil der Weg durch den Kanal zu riskant geworden war. 1605 beschloß der Oberrat, an der Mündung des Neckars in den Rhein, dort wo Dorf und Zollhaus Mannheim standen, eine Bastionenfestung zu errichten. Man faßte dabei auch gleich die Anlage einer Stadt ins Auge. Schwierigkeiten machten die Umstrukturierung des Dorfes zur Stadt, die Beschaffung der Gelder und der Arbeitskräfte. Die Dorfbewohner, auf deren Arbeitskraft man angewiesen war, stellten einen Katalog von Forderungen auf, die aber auch deshalb abgelehnt wurden, weil man keine Stadt von Ackerbürgern, Wein¬ bauern und Fischern haben wollte, sondern nach dem Vorbild von Frankenthal und der Hanauer Neustadt einen Handels- und Gewerbeort, für den man Niederländer zu gewinnen versuchte; aber fast ohne Erfolg. Der Tod des Kurfürsten und des Grafen Otto von Solms und der spanisch-niederländische Waffenstillstand wirkten retardie¬ rend. 1622 wurde die Festung von Tilly erobert. Damals war das Areal der Stadt erst zur Hälfte besiedelt; von den 10 Mitgliedern des städtischen Rates waren acht frühere Dorfbewohner von Mannheim. Der Wiederaufbau suchte durch Privilegienpolitik wiederum niederländische Einwanderer anzuziehen. Das Privileg von 1652 gewährte religiöse Toleranz und soziale Gleichstellung von Einheimischen und Fremden, Ge¬ werbefreiheit und Steuervorteile für Handel und Gewerbe. Die Stadt wurde vom Oberamt gefreit und direkt dem Kurfürsten unterstellt. In dieser Privilegienpolitik liegt im Grunde noch ein mittelalterliches Element. Mannheim wurde zu einer der „Hauptstädte“ der Kurpfalz. Im Stadtrat saßen nun unter dem niederländischen Stadtdirektor Clignet 2 Niederländer, 2 Wallonen, 2 Franzosen und 2 Einheimische. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde auch Mannheim zerstört und mußte im 18. Jahr¬ hundert noch einmal wieder aufgebaut werden, 1720 wurde die Regierung nach Mannheim verlegt, die Trennung der Feste Friedrichburg und der bastionierten Stadt aufgegeben; in der Residenz Mannheim entwickelte sich ein bedeutendes geistiges, literarisches und künstlerisches Leben, mit dem die wirtschaftliche Entfaltung nicht ganz Schritt hielt. Die enorme strategische Bedeutung von Mainz bedarf wohl kaum besonderer Aus¬ führung. Im 17. und 18. Jahrhundert erhielt es seine moderne Befestigung, im 18. Jahrhundert unter großzügiger Mithilfe des Reiches. Die Erweiterungsbauten der Jahre 1714 bis 1736 schufen einen Gürtel untereinander verbundener und mit Zwi¬ schenwerken versehener Forts, die einen Angreifer in möglichst weiter Entfernung von der Hauptumwallung halten und ihn im Fall einer Belagerung zwingen sollten, die Laufgräben weit von der Festung entfernt zu eröffnen. Aber sein Ruf war besser als die Realität. Mainz hat sich öfters nach kurzem Widerstand oder kampflos ergeben. Die militärischen Gründe dafür lagen im Mißverhältnis der Konzeption der Festung und der mangelhaften Besatzung und Ausrüstung. Die Festung des 18. Jahrhunderts erforderte 20 000 Mann für einen Belagerungskrieg, 12 000 zur Abwehr eines Über¬ falls. Das konnte Kurmainz mit einem Truppenbestand von 6 000 Mann nicht leisten; es war auf Hilfe Österreichs und des Reiches angewiesen — aber war eine solche Truppenansammlung nicht nützlicher im Feld zu gebrauchen? Lange Zeit war der rechtsrheinische Brückenkopf Kastei vernachlässigt worden, bis die Franzosen ihn 30