unterbinden, welche ihn zu einer festen Stütze der Bergarbeiterbewegung hätte werden lassen können. Der Verein sollte nicht dahin streben, neue Rechte zu erringen, beste¬ hende zu erweitern, sondern lediglich die erworbenen Rechte zu schützen“1*. Maßgeblichen Anteil an der Popularisierung des Gedankens der Einheitsgewerkschaft hatte Ludwig Schröder, der im September, Oktober und November 1891 das Saarre¬ vier bereiste. Man verweigerte ihm zwar die Säle in den Kreisen Ottweiler und St. Wendel13 14, die ,,St. Johanner Volkszeitung“ warnte eindringlich vor einem Besuch sei¬ ner Versammlungen, eine Reihe katholischer Geistlicher predigte sogar von der Kanzel gegen ihn15, dennoch konnte Schröder in Altenwald, Dudweiler, Fraulautern, Schwal- bach, Hüttersdorf, Bildstock, Püttlingen, Quierschied, Sulzbach, Neudorf, Fürsten¬ hausen, Ensdorf und Reisweiler sprechen16 17. Schröder — ein ,,redegewandter, vorsich¬ tiger Mann von guten Kenntnissen, sowohl als praktischer Bergmann, wie als Führer und Organisator von Vereinigungen“v — lobte generell die englischen Trade-Unions als Vorbild18, ermahnte zur Einigkeit und zur politischen Neutralität in Gewerk¬ schaftsfragen. Er unterließ jede Propagierung der SPD, sprach den organisierten Berg¬ arbeitern aber aus dem Herzen, als er ausführte: ,,Wenn wir uns bemühen, unsere Lage zu verbessern, schimpfen sie uns Sozialdemokraten, Umstürzler pp.“ I9 20. ,, Immerhin be¬ mächtigt sich aber durch solche Vorkommnisse der Bergleute die Idee, daß die Sozialde¬ mokratie doch nicht so schlimm sei, wie man sie mache“2lJ, befürchtete angesichts sol¬ cher Reden nicht nur der Völklinger Bürgermeister — gerade weil Schröder anders wirkte und sprach, als er von den Kanzeln beschrieben worden war. Als Schröder am 27. November 1891 wieder abreiste, hatte er jedenfalls nach Ansicht aller Landräte neues Vertrauen in den RSV geschaffen21. Im Ruhrgebiet hingegen schilderte er ,,die Verhältnisse im dortigen Rechtsschutzverein in sehr düsteren Farben. Ein vollständiger Zusammenbruch desselben sei fast unvermeidlich; Warken und Genossen hätten eine ganz unverantwortliche Wirtschaft geführt“22. 13 Zeitung der deutschen Bergleute vom 10. 10. 1891 (Nr. 41). 14 LR Tenge/OTW an RP vom 28. 9. 1891, LH AK 442/4274. LR Hagen/WND an RP vom 25. 11. 1891, ebd. 15 BM Petermann/Dudweiler an LR vom 18. 9. 1891, Abschriften LHAK 442/4274 und 403/ 6834, 303 — 321. Genauso erging es Schröder, als er am 20. März 1892 erneut in Dudweiler sprach, dto. vom 21. 3. 1892, Kr ASB S/7. Auch die evangelische Kirche an der Saar sprach sich in diesem Sinne aus, vgl. EW vom 27. 9. (Nr. 39) und 15. 11. 1891 (Nr. 46). 16 Versammlungsberichte KrASB S/7 und S/10, abschriftlich meist auch LHAK 442/4274, 442/ 6390 und 403/6834. 17 BM Woytt/Sulzbach an LR vom 17. 9. 1891, Abschriften LHAK 442/4274 und 403/6834, 291 -301, Zitat S. 300. 18 Vgl. Robert P. Arnot: The Miners. A History of the Miners Federation of Great Britain, London 1961. Sidney und Beatrice Webb: Die Geschichte des britischen Trade-Unionismus, 2. Aufl. Stuttgart 1906. H. A. Clegg / Alan Fox/A.F. Thompson: A History of British Trade Unionsm since 1889, Oxford 1954. Emil Bandholz: Die englischen Gewerkschaf¬ ten. Organisationstypen, Zielsetzungen, Kampfweisen von der Gründung bis zur Gegenwart, Köln 1961. 19 BM Pickard/Püttlingen an LR vom 26. 10. 1891, KrASB S/10, Abschriften LHAK 442/4274 und 403/6834, 577-587. 20 BM Stürmer/VK an LR vom 25. 11. 1891, KrASB S/7. Auch Brandt, S. 85, bezeichnet Schröders Auftritte an der Saar als ,,planmäßige sozialdemokratische Agitation . . . Der aus¬ gesprochene Zweck war die Gewinnung eines Anhangs für die Reichstagswahlen“ — er kolpor¬ tiert hier lediglich die in den Landratsakten gebündelten politischen Ängste. Vgl. den Leitarti¬ kel ,,Der Sozialdemokrat Schröder im Saargebiet“ im SGB vom 1.11. 1891 (Nr. 44). 21 RP Heppe/Trier an OP vom 2. 12. 1891, LHAK 403/6835, 105 — 123. 22 KVZ vom 1. 12. 1891 (Nr. 330). Ein Dementi Schröders erfolgte nicht. 261