steckte Berlepsch zurück. Es blieb bei der Einführung der Arbeiterausschüsse auf den Staatsgruben18 19. ,,Da der Völklinger Versammlung keine höhere Bedeutung beigemessen werden kann“11*, werde kein Bescheid erfolgen, teilte Berlepsch der Bergwerksdirektion am 13. Juli 1980 mit. Statt dessen sollten die Werksdirektoren gegenüber den Arbeiteraus¬ schüssen ihrer Inspektion eine Stellungnahme abgeben, in der sämtliche ,, Völklinger Beschlüsse“ abgelehnt und die Bergleute darauf hingewiesen werden sollten, daß die , Jetzige gute Lage“ nur dann gesichert werden könne, wenn nicht fortgesetzt ,,uner¬ füllbare Forderungen“ in die Belegschaft getragen würden. Ebenso verfuhr Berlepsch mit der Immediateingabe vom 26. November 188920. Eine Negativbescheid erfolgte le¬ diglich indirekt im ,, Bergmannsfreund“21. Der RSV sollte als Interessenvertreter der Bergleute ignoriert werden; an seiner Stelle wollte Berlepsch die neuen Ausschüsse als Ansprechpartner benutzen. Auf diesem Hintergrund der neubelebten Repressivpolitik und des sozialpolitischen Status quo vollzog sich der Anschluß des RSV an die nationale und internationale Berg¬ arbeiterbewegung. Die Bochumer Generalversammlung des ,,Alten Verbandes“ am 8. März 1890 hatte den Vorstand zur Einberufung des seit langem geplanten ,,Deutschen Bergarbeitertages“ ermächtigt22; am 11. Mai beschloß man, diesen Kongreß in Halle stattfinden zu lassen23. Ende Juli kamen mit Heinrich Hüninghaus und Jakob Brodam zwei führende Verbandsfunktionäre ins Saarrevier, konferierten mit dem RSV-Vor- stand24 25 und propagierten in einer Quierschieder Versammlung den nationalen Zusam¬ menschluß aller Bergarbeiter23. Am 3. August 1890 behandelte eine Vertrauensmän¬ nerversammlung des RSV diese Frage. Beim internationalen Kongreß in Jolimont habe man ihnen abgeraten und sie auf den Instanzenweg verwiesen,,,aber die Erfahrung habe sie gelehrt, daß dieses nicht hinreichend sei“, lautete die vorherrschende Meinung. Man beschloß, pro Berginspektion einen Delegierten wählen zu lassen. Berlepschs Ableh¬ nung der ,, Völklinger Beschlüsse“ rächte sich hiermit, vor allem aber der zentrale 18 Protokoll der Berliner Konferenz der Bergbehörden vom 18. bis 20.12. 1890, StAM, Best. OBA Dortmund, Nr. 1816. Vgl. Kirchhoff, S. 119 f. Auch die Denkschrift des christli¬ chen Bergarbeitervereins ,,Glückauf ‘ vom 22. Oktober 1890, deren aus katholischer Libera¬ lismuskritik und aus Rückgriffen auf ständische Werte gespeisten Forderungen den Vorstel¬ lungen Huyssens sehr nahe kamen, wurde am 10. Januar 1891 von Berlepsch inhaltlich abge¬ wiesen, da sie eine Revolutionierung der gesetzlichen Grundlagen des Wirtschaftslebens ver¬ lange, zu der er sich als Minister nicht äußern dürfe. Abgedruckt in (Reismann-Grone), S. 18 — 21, und Rassow/Born, S. 38 — 44. Vgl. SJVZ vom 4. 11. 1890 (Nr. 258). 19 HM Berlepsch an BWD vom 13. 7. 1890, Abschriften LHAK 442/4304, 541 — 562, Zitat S. 541, und KrASB S/3. 20 HM Berlepsch an OP/Koblenz vom 5. 9. 1890, Abschrift LHAK 442/4304, 511 —514. Dieses Vorgehen war von Wilhelm II. durch eine Ordre vom 16. April 1890 ausdrücklich gebilligt worden, vgl. ebd., 563. 21 Extranummer des Bgmfr. vom 11.9. 1890. 22 Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung des „Verbandes zur Wahrung und För¬ derung der bergmännischen Interessen in Rheinland und Westfalen“ am 8. März 1890 im „Schützenhof“ in Bochum, Ms. o. O. o. J., S. 7. 23 Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung des „Verbandes rheinisch-westfäli¬ scher Bergleute“ am 11. Mai 1890 im „Schützenhof“ zu Bochum, Ms. o. O. o. J. Vgl. Im¬ busch, S. 326. Die KAZ vom 18. 5. 1890 (Nr. 20) meldete daraufhin: ,,Der Rechtsschutz¬ verein der Bergleute im Saargebiet will sich nach Mittheilungen aus St. Johann an dem Kon¬ greß nur betheiligen, wenn mit diesem keine sozialdemokratischen Nebenabsichten verwirk¬ licht werden sollen“. 24 KD Kiefer/SB an RP vom 29. 7. 1890, KrASB S/5. 25 Gendarm Ulitzsch an BM Cloos/Heusweiler vom 24. 7. 1890, Abschriften ebd. und LHAK 442/4304, 157-160. SJZ vom 26. 7. 1890 (Nr. 173). 199